WM Herning: Platz fünf für das deutsche Spring-Team

Erschienen am 16.08.2022

 

Olympiasieger Schweden wird auch Weltmeister

Tolle Runde für Jana Wargers und ihren Holsteiner Limbridge im zweiten Umlauf. Foto: Lafrentz

Tolle Runde für Jana Wargers und ihren Holsteiner Limbridge im zweiten Umlauf. Foto: Lafrentz

Herning/DEN (fn-press). Im Teamfinale Springen der Weltmeisterschaften in Herning haben sich die souverän auftretenden Olympiasieger Schweden den Sieg nicht nehmen lassen und die Goldmedaille gesichert. Silber geht an die Niederlande, die sich von Platz vier noch auf den Silberrang vorgearbeitet haben (19,31), Bronze gewinnt das Team aus Großbritannien (22,66). Das deutsche Team hatte Pech, einen Schreckmoment und eine tolle Runde von WM-Debütantin Jana Wargers und beendet das Mannschafts-Springen auf Rang fünf (24,76) hinter Irland  (23,15). In der Einzelwertung rangieren Jana Wargers und Limbridge als beste Deutsche auf Platz 17 (9,08 Punkte). Als Führender startet am Sonntag der Schwede Henrik von Eckermann mit King Edward und 0,58 Punkten ins Einzelfinale.  

Das Fazit von Bundestrainer Otto Becker nach dem fünften Platz seiner Mannschaft: "Mit dem Sturz von André sind die Medaillenträume jäh zerplatzt. André hat das natürlicht nicht absichtlich gemacht, aber es ist schon bitter. Sein Pferd wird normalerweise jeden Tag besser. Nach der guten Runde von Jana war natürlich die Hoffnung da, dass wir auf Medaillenkurs bleiben und dass noch etwas geht, aber die Träume wurden jäh beendet. Christian hat es dann nach Hause gekämpft, dass wir wenigstens die Olympiaqualifikation erreicht haben." Die fünf besten Teams der Weltmeisterschaft in Herning qualifizieren sich für die Olympischen Spiele 2024. Deutschland ist dabei und hat damit das Minimalziel erreicht, dass sowohl der Bundestrainer als auch DOKR-Gescäftsführer Dr. Dennis Peiler zuvor definiert hatten.

Das Mannschaftsfinale aus deuscher Sicht im Rückblick: 

Als Schlussreiter für das deutsche Team reitet Christian Ahlmann (Marl) mit Dominator 2000 Z ein. Es sieht gut aus, bis zur dreifachen Kombination. Ahlmann nimmt seinen zwölfjährigen Zangersheider-Hengst extrem zurück, die beiden Steilsprünge schaffen sie fehlerfrei, aber am Aussprung der Dreifachen steht ein gewaltiger Oxer und hier reicht die Weite nicht. Die Stange fällt, vier Strafpunkte kommen fürs deutsche Team dazu. Die Mannschaften aus Irland, den Niederlanden und Großbritannien ziehen an Deutschland vorbei. Eine Medaille ist damit nicht mehr möglich. Schweden hat Gold schon vor dem Schlussreiter sicher. 

An Sprung drei katapultiert es André Thieme (Plau am See) aus dem Sattel von DSP Chakaria! Schreckmoment im Stutteri Ask Stadion, aber offenbar ist beiden nichts passiert. Die Brandenburger Stute galoppiert ohne Reiter weiter, Andre Thieme verlässt zu Fuß das Stadion. Er wird zur Sicherheit routinemäßig nochmal vom Mannschaftsarzt gründlich gecheckt - alles ist ok. Wie bitter für den amtierenden Europameister. Für die Teamwertung heißt das, dass die acht Strafpunkte von Marcus Ehning jetzt zählen. "Es ist einfach nur schade für die Mannschaft, ich bin einfach nur enttäuscht über mich selber. Die Stute ist so in die Luft gegangen und hat einen so abnormalen Sprung gemacht, dass ich so einen in der Landung unter den A... bekommen habe und mit einem Mal war es schon passiert, mit einem Mal war sie weg und ich bin auf dem Boden gelandet und wusste gar nicht was passiert ist. Das Pferd sprang zu gut, es ist einfach nur traurig, weil ich für die Mannschaft alles tun wollte. Vor allem nach Marcus brauchten wir ja auch ein Ergebnis. Ich kann es nicht erklären, es tut mir für die Mannschaft einfach nur leid und es ist wahrscheinlich der peinlichste Moment in meinem ganzen Leben, weil ich weiß, wer das alles zugeguckt hat, in so einem Moment, wo es zählt. Es ist nicht zu erklären. Das einzige Positive daran ist, dass dem Pferd natürlich überhaupt gar nichts passiert ist, denn ich bin einfach nur daneben gelandet", versucht ein sehr, sehr enttäuschter André Thieme Erklärungen zu finden.

Bundestrainer Otto Becker erklärte so, was bei André Thieme passiert war: "Man konnte es schlecht sehen vom Einritt, man steht da sehr tief. Aber so wie ich es von hinten gesehen habe, kam er vielleicht ein bisschen dicht. Das Pferd ist sehr vorsichtig, gerade im Flutlicht, und sehr hoch gesprungen und hat ihn eben von unten so einen Kick mitgegeben und aus dem Gleichgewicht gebracht. André ist ja sehr groß und hat einen langen Oberkörper und ist nach vorne herruntergefallen. Das ist eine Szene, um so bitterer, dass es heute passiert ist, das ist schade."

Zuvor hatte Jana Wargers (Emsdetten) und ihr Limbridge eine stilistische sehr schöne Runde gezeigt. Bei ihrer ersten WM kommt die 30-Jährige mit ihrem 13-jähriger Holsteiner Hengst Limbridge von Limbus (Züchter: Ralf Pawlowski, Heidenheim) fehlerfrei ins Ziel und hält die deutsche Mannschaft damit im Rennen. Ein Zeitstrafpunkt kommt am Ende auf ihr Konto. "Er fühlte sich von Sprung eins bis zum letzten Sprung so konzentriert an, er war wirklich total bei mir, wir waren beide sehr fokussiert. Dass wir heute hier so eine Runde hier abliefern können, das ist Wahnsinn!", freute sich Jana Wargers. "Ich bin meinen Parocurs abgegangen und hatte meinen Plan und habe mir dann ein paar Pferde angeguckt und hab dann auch schnell gemerkt, ok du hast einen Plan, du gehst jetzt runter von der Tribüne, kommst jetzt nochmal zur Ruhe, gehst in den Stall und ziehst deinen Plan durch. Und heute hat es geklappt", berichtet Jana Wargers von ihrem Erfolgsrezept.

Gleich zwei Mal fällt bei Marcus Ehning (Borken) und Stargold, dem ersten deutschen Paar eine Stange. Erst an Hindernis sieben und dann noch am mittleren Sprung der Dreifachen Kombination, die sich schon mehrfach als echte Klippe des Parcours gezeigt hat. Acht Punkte kommen für das deutsche Team und auch für den bislang bestplatzierten deutschen Reiter dazu. "Ich habe schon andere Sachen auf Championaten erlebt, es war irgendwie nicht so mein Tag heute, ich kann nicht sagen dass er (Stargold) schlecht gespurngen ist, ich habe eigentlich alles so wie geplant geritten. Nach der Triplebarre habe ich vielleicht zu viel gewartet, dann lief mir der Sprung so ein bisschen weg. Die Zeit ist auch noch richtig eng heute. Auch ein Zeitfehler ist sehr teuer heute", so die Analyse von Marcus Ehning nach seinem Ritt.

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