Pferdezüchter in MV legten Rechenschaft ab
Erschienen am 25.04.2026
Delegiertenversammlung des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern. Im Kontext nationaler und globaler Unwägbarkeiten nehmen die Herausforderungen für den Verband zu.
Der ehemalige Stutbuchführer Uwe Träder hat sich als Ruheständler nochmal in die Pflicht nehmen lassen und die Aufgabe des Zuchtleiters übernommen, bis ein neuer gefunden worden ist. © Jutta Wego
Der Verband der Pferdezüchter Mecklenburg?Vorpommern hat am 24. April seine diesjährige Delegiertenversammlung abgehalten. 81 Prozent der Delegierten nahmen an der Sitzung teil und verfolgten die Berichte des Verbandspräsidenten Jörg Hasselmann, des amtierenden Zuchtleiters Uwe Träder und dem von Anika Köhn vorgetragenen Finanzbericht, den Prokuristin und Büroleiterin Heike Fischer erstellt hat, die sich derzeit nach einer Operation noch in der Klinik befindet.
Der Bericht des Präsidenten stand in diesem Jahr unter besonders herausfordernden Rahmenbedingungen. Personalangelegenheiten belasteten das Verbandsjahr. Unstimmigkeiten und Differenzen in der Verbandsgeschäftsstelle, von den Mitarbeitern aber nicht nach außen getragen, strahlten dennoch in die Züchterschaft aus. Ausgegangen waren sie von Geschäftsführerin und Zuchtleiterin Karoline Gehring und erreichten bei der Körung Anfang Dezember 2025 in Redefin ihren Höhepunkt, informierte Jörg Hasselmann. Das Präsidium zog die Reißleine und entließ Karoline Gehring im 1. Quartal dieses Jahres. Diese Personalentscheidung hatte das Verbandsjahr spürbar beeinflusst und war auch während der Versammlung ein zentrales Thema.
Der Verband blieb durch Fleiß und Zusammenhalt der Mitarbeiter in der Verbandsgeschäftsstelle dennoch uneingeschränkt handlungsfähig. Prokuristin Heike Fischer, ohnehin die gute Seele des Verbandes, übernahm die Büroleitung, Präsident Jörg Hassel zusätzlich selbst die Geschäftsführung und als amtierender Zuchtleiter konnte der frühere Zuchtbuchführer Uwe Träder gewonnen werden. Die fachliche Expertise von Uwe Träder ist unbestritten. In jungen Jahren erfolgreicher Reiter, liegt ihm der Verband durch seine langjährige Tätigkeit besonders am Herzen. Er strahlt Ruhe und Gelassenheit aus, verbunden mit großem Fleiß und Sachkenntnis, die ihn in Pferdezuchtkreisen sehr beliebt machen. Jörg Hasselmann informierte, dass die Stelle des Zuchtleiters/Geschäftsführers im Mai ausgeschrieben wird.
Für sein Lebenswerk, vor allem bei der Entwicklung der Shetlandponyzucht, wird Gisbert Koch, gerade 80 geworden, nun als Ehrenmitglied des Verbandes geführt. © D. Vollmers
Trotz der schwierigen Situation bewältigten die Mitarbeiter der Geschäftsstelle ein außergewöhnlich intensives Jahr. Als einer der kleinsten Zuchtverbände in Deutschland musste eine ungewöhnlich hohe Zahl an Veranstaltungen organisieren und durchgeführt werden. Zusätzlich zu den üblichen Großveranstaltungen wie Fohlenchampionate, Elitestutenschau und Körungen kamen 2025 die FN-Bundesschauen für Lewitzer und Robustrassen im Landgestüt Redefin. Dies stellte das Team personell wie organisatorisch vor erhebliche Herausforderungen, wurde aber dankenswerter Weise von vielen ehrenamtlichen Helfern tatkräftig unterstützt. Der Präsident sprach allen seinen ausdrücklichen Dank aus.
Die Organisation war bei allen Veranstaltungen vorbildlich. Das beeindruckte auch die Mitarbeiter der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN). Nicht zuletzt deshalb, weil das Landgestüt Redefin mit seinem historischen Ambiente eine hervorragende Kulisse bietet. Einer FN-Anfrage, weitere zentrale Veranstaltungen zu übernehmen, erteilte der Präsident mit Blick auf die ohnehin schon große Belastung der Verbandsmitglieder jedoch vorerst eine Absage.
Große Sorgen bereitet dem Verband nach den Worten von Jörg Hasselmann der fast schon dramatische Rückgang an Zuchtstuten und in deren Folge an Fohlen. Das ist aktuell zwar ein deutschlandweiter Trend, trifft Mecklenburg-Vorpommern aber besonders hart. Positiv bewertete der Präsident die Aussagen der Züchter bei den Tagungen der Zuchtvereine. Diese bestätigten ihm mehrheitlich weiter machen zu wollen, weil Pferde ihre Leidenschaft sind. Dennoch bedeuten die zahlenmäßigen Rückgänge auch finanzielle Verluste. Erstmals wies der Finanzbericht von Heike Fischer für das Jahr 2025 ein leichtes Minus aus. Dies kann durch Rücklagen zwar ausgeglichen werden. Über weitere Sparmaßnahmen und evtl. höhere Einnahmen bei Körungen muss jedoch nachgedacht werden, so der Präsident. Die Züchterbeiträge sollen auf jeden Fall nicht erhöht werden.
Dr. Siegfried Hoffmann vom LALLF wurde von Verbandspräsident Jörg Hasselmann bei der Delegiertenversammlung aus Anlass seines 65. Geburtstags und für die Unterstützung in stürmischer Zeit geehrt. © D. Vollmers
Den züchterischen Jahresbericht präsentierte erstmals der amtierende Zuchtleiter Uwe Träder. Er zeigte zwar die schmerzlichen Verluste auf - der Zuchtstutenbestand über alle Rassen verringerten sich in den beiden letzten Jahren von etwas mehr als 1.800 im Jahre 2023, um deutlich mehr als 400. Wohltuend jedoch war, wie er den Bericht mit plastischer Darstellung auf der Videoleinwand vortrug. Er enthielt weniger Zahlen als bisherige Berichte, war dafür aber für Jedermann deutlich nachvollziehbarer.
Auch Ehrungen gab es bei der Delegiertenversammlung. Gisbert Koch, Vorsitzender der Interessengemeinschaft (IG) Shetlandpony, der gerade seinen 80. Geburtstag gefeiert hat, wurde für sein unermüdliches Engagement zum Wohle des Verbandes, das seit Jahrzehnten deutlich über die Leitung der IG hinaus geht, die Ehrenmitglied des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern angetragen. Geehrt wurde auch Dr. Siegfried Hoffmann vom Landesamt für Landwirtschaft, Lebensmittelsicherheit und Fischer (LALLF) als Ansprechpartner des Verbandes und für die Unterstützung in diesen „stürmischen“ Zeiten. Er hat vor wenigen Tagen seinen 65. Geburtstag gefeiert.
Fazit der Delegiertenversammlung: Der Verband steht weiterhin vor grundlegenden Zukunftsfragen. Die rückläufigen Zahlen an Zuchtpferden wirken sich zunehmend auf die Verbandsarbeit aus. Gleichzeitig verschärfen sich die finanziellen Rahmenbedingungen, die eine strategische Neuausrichtung erforderlich machen. Präsident Hasselmann betonte, dass der Verband trotz der schwierigen Lage handlungsfähig bleibe, jedoch klare Entscheidungen und gemeinsame Anstrengungen notwendig seien, um die Zukunft der Pferdezucht in Mecklenburg?Vorpommern zu sichern. (fw)

