Hohen Wieschendorf: „Auf den Parkplatz passt kein Lkw mehr“
Erschienen am 29.05.2026
Sportdirektor des CSI2*/4* Hohen Wieschendorf Holger Wulschner und Christooph Lanske, Chef von Glantz Equestrian. © Peter Philipps
Über das Konzept der DKB Pferdewoche Hohen Wieschendorf – im Gespräch mit den Sportchefs, Holger Wulschner und Christoph Lanske:
Die letzten Tage und Wochen vor dem Turnier beschreiben Sie als ‚krass‘. Warum?
C. Lanske: Wir hatten so unglaublich viele Anfragen. Eigentlich waren schon alle Startplätze vergeben und wir hatten trotzdem noch 100 Leute auf der Warteliste – und zwar gleichermaßen für die Zwei- und die Vier-Sterne-Tour. Wir haben dann unser Kontingent für beide Touren erhöht, aber mehr geht auch nicht. Auf den Parkplatz passt kein Lkw mehr (lacht).
Wie sind die Entscheidungen gefallen, wer kommen darf und wer nicht?
H. Wulschner: Wir versuchen immer, es sportlich zu lösen. Die 19-jährige Tomma Thiesen hat beispielsweise zwei top Runden im Drei-Sterne-Nationenpreis in Matofte gezeigt. Wir haben unser 60-Reiter-Kontingent für die Vier-Sterne-Tour um zehn Reiter erweitert und sie war dann bei den Nachrückern dabei. Genau wie Simon Heineke, der Zweiter beim Derby in Hamburg war.
Dieser Riesenandrang ist natürlich auch ein Kompliment an Ihre Ausschreibung und das ganze Turnier. Haben Sie sich eventuell schon Gedanken gemacht, wie man darauf reagieren könnte? Eventuell mit einem zweiten Turnierwochenende?
C. Lanske: Darüber haben wir tatsächlich auch schon gesprochen, aber das können wir nicht stemmen. Hier sind rund 30 ehrenamtliche Helfer über die Turniertage im Einsatz. Sie helfen mit den Radladern beim Abladen, wenn die Reiter anreisen, sie sind im Parcours, in den Stallungen, einfach überall. Ich glaube, das ist auch ein Grund, warum wir so viele Nennungen haben und noch mehr Interessenten. Ich kenne keine Veranstaltung, bei der so ein Service geboten wird. Diese Menschen brennen für das Event und nehmen sich extra Urlaub dafür, das kriegen wir über zwei Wochenende nicht hin.
Der Andrang auf die Startplätze war riesig, aber auch der auf die VIP-Tische, auch das ist selten.
H. Wulschner: Ich denke, auch das ist eine Wertschätzung des Turniers durch die Reiter und Pferdebesitzer. Das ist ihre Art, das Turnier zu unterstützen. Zudem kenne ich kaum einen VIP-Bereich, der so schön ist wie hier – kein Schickimicki, aber rustikal schön gemacht. Da gibt es keine Hummer für die Gäste oder ähnlich abgefahrenes Essen, aber es schmeckt erstklassig und der ganze Bereich ist detailverliebt gestaltet.
Die Zwei-Sterne-Tour beinhaltet sechs Prüfungen, drei davon sind für sieben- und achtjährige Youngster ausgeschrieben. Welche Philosophie steckt dahinter?
H. Wulschner: Das hat mehrere Gründe. Wir wollen den Vier-Sterne-Reiter, die vielleicht ein Pferd haben, das Nachholbedarf hat oder noch nicht die ganz schwere Tour gehen soll, eine Möglichkeit geben. In den Youngster-Prüfungen können außerdem alle mit zwei Pferden antreten und in der Vier-Sterne-Tour auch, so dass jeder Reiter am Ende fünf Pferde mitbringen kann. Und um ganz ehrlich zu sein, durch das Integrieren der Youngster-Prüfungen in die Zwei-Sterne-Tour sparen wir am Ende etwas Geld. Hätten wir die Youngster-Tour separat ausgeschrieben, hätten wir die Zwei-Sterne-Tour aufstocken müssen und das hätte unseren Rahmen komplett gesprengt. Ganz wichtig ist auch die Region, die Reiter der Region müssen immer mit einbezogen werden. Und für diese Reiter brauchen wir auch genug Startmöglichkeiten.
Die Springen der Youngster-Tour sind ohne Qualifikation ausgeschrieben, sprich alle Youngster können wirklich drei Prüfungen gehen. Das ist eher selten der Fall.
C. Lanske: Wir bilden beide selbst auch Pferde aus. Wir wissen, wie wichtig es mal sein kann, zwei Ausbildungsrunden zu drehen und dann eine dritte Prüfung reiten zu können. Das ist unsere tägliche Arbeit.
H. Wulschner: Und wir haben auch ganz bewusst einen Tag Pause eingebaut. Gerade für die Siebenjährigen kann es gut sein, einen Tag Pause zu haben, an dem sie ein bisschen bummeln oder joggen können, bevor sie dann in den Finaltag starten.
Ein ganz wichtiger Punkt für Sie beide sind auch die Pfleger…
H. Wulschner: Mit einem Pfleger fällt und steigt eine Veranstaltung. Wenn der Pfleger nächstes Jahr zum Reiter sagt: Da kriegst du mich nicht mehr hin, dann hat es der Reiter schwer. Das haben wir uns gleich auf die Fahne geschrieben: Wir wollen einen Abend für die Pfleger machen. Und dann haben wir mit Enno (Glantz) natürlich auch spendablen Gastgeber. Für ihn war sofort klar, dass alle Pfleger mit zum Welcome-Abend geladen werden. Das ist uns wichtig.
Wir sind ungefähr bei der Halbzeit des Turniers – gab es schon so etwas wie einen ‚schönsten Moment‘?
C. Lanske: Für mich war bisher der beste Moment, als ich mit Steve Guerdat zusammengesessen habe und er zu mir sagte, wie froh er sei, dass er sich für dieses Turnier entschieden habe. Dass er sich richtig wohlfühlt und nächstes Jahr wiederkommen möchte.

