DYLEEN von D’Olympic: Eine große Pferdepersönlichkeit lebt nicht mehr

Erschienen am 21.06.2022

In elf Jahren hat die Mecklenburger Staatsprämienstute 258 Turnierschleifen gesammelt, darunter 41 Siege.

Dyleen mit Christoph Maack 2018 auf dem sportlichen Höhepunkt – hier im Großen Preis bei der „Pferd 2018“ in Mühlengeez. © Jutta Wego

Dyleen mit Christoph Maack 2018 auf dem sportlichen Höhepunkt – hier im Großen Preis bei der „Pferd 2018“ in Mühlengeez. © Jutta Wego

Ein Schock ging durch die Mitglieder der Familie Maack in Kirch-Mummendorf, als die ersten am Sonntagmorgen nach einer Familienfeier den Pferdestall betraten und in die Box von Dyleen schauten. Die 17-jährige Stute lag tot in ihrer Box, ihr drei Wochen altes Stutfohlen von Diamant de Plaisir stand, nach Milch suchend, neben ihr.

Links: Dyleen 2008 als 3-jährige Stute bei der Elite-Stutenschau in Mühlengeez. Rechts: Dyleen bei der Auszeichnung als Siegerstute mit ihrem Besitzer Andreas Maack und Sponsor Karsten Schmundt von  der R+V Versicherung. © Jutta Wego

Links: Dyleen 2008 als 3-jährige Stute bei der Elite-Stutenschau in Mühlengeez. Rechts: Dyleen bei der Auszeichnung als Siegerstute mit ihrem Besitzer Andreas Maack und Sponsor Karsten Schmundt von  der R+V Versicherung. © Jutta Wego

Was war geschehen? Besitzer Andreas Maack konnte es nicht fassen. „Am Samstag hatte mein jüngster Sohn Jugendweihe und wir hatten eine schöne Familienfeier mit vielen Gästen die alle das Fohlen bewundern wollten. Wir hatten Dyleen an der Longe mit dem Fohlen auf den Hof geholt und den Gästen gezeigt. Alles war gesund und in Ordnung. Unser Tierarzt Dr. Göllnitz war auch dabei, der sie mit Samen von Holger Wulschners Diamant de Plaisir besamt hatte. Kein Anzeichen irgendeiner Erkrankung. Auch nicht, als einige Gäste nach Mitternacht nochmal in den Stall gingen. Am Morgen dann die bittere Nachricht. Ich kann es nicht fassen, mein „Chrischi“ (Redaktion: Sohn Christoph) ist mit ihr groß geworden. Wir sind gemeinsam zu den großen Turnieren gefahren, sie war unser aller Lieblingspferd.

Zum Tod der D’Olympic-Tochter äußert sich ihr ehemaliger Reiter Christoph Maack: „Vor allem Dyleen verdanke ich meinen Aufstieg in den höheren Springsport. Ich hatte, als ich 12 und 13 Jahre alt war, zwar schon mit anderen Pferden einige Erfolge in A- und L-Springen. Der Durchbruch gelang mir aber erst als ich ab 2013, da war ich 14, Dyleen reiten durfte. Sie half mir mit internationalen Erfolgen im großen Springsport Fuß zu fassen und die Bedingungen für das „Goldene Reitabzeichen“ zu erfüllen. Ich weiß nicht, ob ich nach meinem Studium Berufsreiter geworden wäre, wenn es Dyleen nicht gegeben hätte. Umso trauriger bin ich, dass sie uns nun auf diese Weise und das noch mit ihrem erst drei Wochen alten Stutfohlen, ganz plötzlich verlassen hat. Sie bleibt in meinem Herzen immer die Beste. Für ihr Fohlen sind wir ganz zuversichtlich. Sie säuft schon gut aus dem Eimer und hat ein Pony als Gesellschafter bekommen.

Dyleen bei ihrem ersten Turniereinsatz im März 2009 mit Michael Nagel in Altenhagen bei Altentreptow. © Jutta Wego

Dyleen bei ihrem ersten Turniereinsatz im März 2009 mit Michael Nagel in Altenhagen bei Altentreptow. © Jutta Wego

Der Lebensweg von Dyleen
Dyleen wurde 2005 im Stall des erfolgreichen Züchters Frank Rudolph in Oberhof bei Grevesmühlen geboren. Dazu paarte er seine Staatsprämienstute Gepetta (v. Grafenstein) mit dem Redefiner D’Olympic an. Andreas Maack, der Vater ihres späteren Reiters Christoph Maack, hat sie eineinhalbjährig gekauft und wollte sie eigentlich in der Zucht einsetzen. Deshalb ließ er sie dreijährig, als sie den Namen Dyleen bekam, noch vor der Stutbucheintragung auch besamen und war auf Anhieb tragend.

Schnell stellte sich heraus, dass Dyleen ein besonderes Pferd ist. Mit hohen Eintragungsnoten und dem Sieg in der anschließenden Stutenleistungsprüfung fuhr Andreas Maack 2008 mit ihr zur Landes-Elitestutenschau nach Mühlengeez. Dort wurde sie Siegerstute und war fortan in aller Munde. Nach der Schau blieb sie noch

Dyleen 2013 beim ersten gemeinsamen Turnier mit Christoph Maack in Rehna. © Jutta Wego

Dyleen 2013 beim ersten gemeinsamen Turnier mit Christoph Maack in Rehna. © Jutta Wego

auf der Landwirtschaftsausstellung MeLa, weil sie als Siegerstute bei den Tierschauen auftreten sollte. Möglicherweise war das zu viel Stress für die Stute, die ein sensibles Nervenkostüm hatte, was sie so besonders machte. Jedenfalls verlor sie ihr Fohlen.

Daraufhin orientierte sich ihr Besitzer um und gab sie dem Zuchthof Makowei in Beritt, wo sie in Michael Nagel einen Topausbilder bekam. Der stellte sie bereits ab März 2009, noch nicht ganz 4 Jahre alt, in Springpferdeprüfungen vor und war auf Anhieb erfolgreich. Bis Oktober 2012, da war Dyleen 7 Jahre alt, kam Michael Nagel mit ihr bis Zwei-Sterne M Springen zu 72 Platzierungen, darunter zehn Siege. Er platzierte die Stute sechsjährig beim Bundeschampionat in Warendorf und feierte mit ihr beim Sieg in einem Zwei-Sterne M-Springen im August 2012 beim großen Drei-Sterne-Turnier in Mühlengeez einen wertvollen Erfolg. „Ich habe

Dyleen 2016 mit Christoph Maack beim Landesturnier in Redefin, dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegen springend. © Jutta Wego

Dyleen 2016 mit Christoph Maack beim Landesturnier in Redefin, dem Höhepunkt ihrer Karriere entgegen springend. © Jutta Wego

Dyleen gern geritten. Sie war zwar sehr aufgeweckt, aber lernte aufgrund ihres Talents sehr schnell“, hebt Michael Nagel die Qualität von Dyleen hervor.

2013 kam Dyleen dann unter den Sattel von Christoph Maack. Es trafen zwei Talente aufeinander und der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. Die erste Schleife, einen 3. Platz, holten die Zwei gleich bei ihrem ersten Auftritt anlässlich der Hallen-Landesmeisterschaft im März 2013 in Redefin.

Von da an ging es Schlag auf Schlag. Der Bundes-Nachwuchstrainer wurde im Juni 2013 beim internationalen Jugendturnier in Hagen auf Christoph Maack aufmerksam und nominierte ihn mit Dyleen für die internationalen Turniere in Pezino (Slowakei) und Budapest (Ungarn). Es gab drei Platzierungen. Zum Ende des Jahres 2013 holte sich das Paar in Salzburg (Österreich) den ersten internationalen Sieg. 2014 ritt Christoph Maack mit Dyleen im deutschen Team, das in

Dyleen mit Christoph Maack im Oktober 2020 in Gadebusch beim letzten Auftritt in einem S-Springen das sie als Sieger beendeten. © Jutta Wego

Dyleen mit Christoph Maack im Oktober 2020 in Gadebusch beim letzten Auftritt in einem S-Springen das sie als Sieger beendeten. © Jutta Wego

Lamprechtshausen (Österreich) den Nationenpreis gewann. Weitere M- und S-Siege folgten auf allen deutschen Plätzen.

Ein ganz bedeutender Erfolg für das Paar war im Mai 2015 der Sieg im Zwei-Sterne S-Springen beim Preis der Besten in Warendorf und 14 Tage später ein weiterer Nationenpreissieg in Lamprechtshausen. Im August setzte das Mecklenburger Paar noch einen drauf und wurde in Wiener-Neustadt Europameister im deutschen Team. 2016 gab es für Christoph Maack und Dyleen vier vordere Platzierungen bei den Europameisterschaften im irischen Millsteet. Zuvor kamen sie schon zu Siegen in Zwei-Sterne S-Springen beim Preis der Besten in Warendorf und beim internationalen Turnier in Lamprechtshausen. „2018 war Dyleen in der Form ihres Lebens“, sagt ihr Reiter. Unter anderem schaffte sie mit ihrer Platzierung im Großen Preis bei CSI Redefin etwas, was für sie eigentlich nicht möglich war. Danach ritten die Zwei mit einem Sieg erneut erfolgreich bei den Future Champions in Hagen am Teutoburger

Wald. Zuvor wurden sie im Drei-Sterne S-Springen beim Preis der Besten in Warendorf Zweite.

Die Bilanz ist beeindruckend, siebenmal hat Christoph Maack mit ihr allein erfolgreich an Deutschen Meisterschaften teilgenommen. Bereits mit 17 Jahren hatte er durch seine Siege in schweren Springen mit Dyleen die Bedingungen für das „Goldene Reitabzeichen“ erfüllt, das ihm im Oktober 2016 in Gadebusch überreicht wurde. Mit einem S-Sieg beim Hallenturnier im Oktober 2020 in Gadebusch und großer Dankbarkeit für die gemeinsamen Erfolge, schickte Christoph Maack Dyleen als 15-jährige in den Ruhestand, damit sie noch Mutterfreuden erleben kann, was ihr 3-jährig verwehrt war. Dies zeugt von Horsemanship und Liebe zum Partner Pferd in höchster Vollendung. Dass Dyleen nun so endet und ihr Fohlen nur drei Wochen erleben durfte, ist eine besondere Tragik. (fw)

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