Walter Burmeister: Ein Reiterherz hat aufgehört zu schlagen

Erschienen am 11.04.2022
Walter Burmeister aus Schwaan, Urgestein des Reitsports im Norden, ist am 10. April im 86. Lebensjahr gestorben. © Jutta Wego

Walter Burmeister aus Schwaan, Urgestein des Reitsports im Norden, ist am 10. April im 86. Lebensjahr gestorben.
© Jutta Wego

Mitten im Großen Preis von Neu Benthen erreichte uns die traurige Nachricht, dass Walter Burmeister aus Schwaan in der Nacht zum 10. April im 86. Lebensjahr gestorben ist. Große Betroffenheit und tiefe Trauer erfasste die Anwesenden bei der spontan gehaltenen Gedenkminute. Man wusste, dass es Walter nicht gut ging und er im Krankenhaus liegt. Weil er aber auch in zurückliegender Zeit nach schweren Erkrankungen immer wieder ins Leben gefunden hat, löste die Nachricht einen Schock aus. Auch bei Turnierleiter Heiko Schmidt, der sich an seine reiterlichen Anfänge zurückerinnerte, als er mal zusammen mit Walter auf dem 1. Platz eines M-Springens stand.

Walter Burmeister hat ganze Epochen des Reitsports im Norden geprägt und wurde vor allem zum Ende seiner langen sportlichen Karriere als Mitglied der internationalen Organisation Veteran Jumping Riders (VJR) auch international bekannt. Und das nicht erst, seit er 2011 im baden- württembergischen Aach bei den Bodensee Classics mit dem deutschen Team auf seiner La Luna, die er selbst zusammen mit Sohn Olaf gezogen hat, den Nationenpreis gewann.

1958 war der bodenständige Walter Burmeister, der am 8. Juni 1936 in Werle geboren wurde, nur 4 Kilometer von Schwaan entfernt, Gründer der ersten Pferdesportorganisation in seiner Heimatregion. Der Bauernsohn war bei der Umgestaltung der Landwirtschaftsstruktur stets an vorderster Front zu finden, auch nach Gründung der Kooperation beim Bau eines Pferdestalls in Schwaan und dem Umzug der Pferde 1975 von Rukieten in die Warnow-Stadt.

Schon als es die Ersten Turniere zu Beginn der 1950er Jahre im Norden gab, gehörte Walter Burmeister zu den aktiven Reitern und war als „Instinktreiter“ wie man Naturtalente nennt, von Anfang an erfolgreich. Das er dneben dem Springreiten damals auch aktiver Zweispännerfahrer war, wissen sich noch wenige. Seine Pferde Flax und Gründerin hat er geritten und gefahren. Pferde wie Schneekönigin und Warnomaid, später Danton und Mississippi gehörten ebenso zu seinen Erfolgspferden wie der Infant-Sohn Infantrist, der später auch von Sohn Olaf und Tochter Ute geritten wurde.

In der Zeit der politischen Wende ergriff Walter Burmeister sowohl beruflich, sportlich und züchterisch die Initiative. Kurze Zeit für eine Futtermittelfirma unterwegs, war der Landwirt mit Leib und Seele hell wach, als nach Auflösung der landwirtschaftlichen Strukturen Flächen zur Pachtung frei wurden. Es dauerte nicht lange und er bewirtschaftete mit seinem Sohn Olaf Ackerflächen im vierstelligen Hektar-Bereich. Auch den Pferdestall des ehemaligen Landwirtschaftsbetriebes am Ortsrand Richtung Bützow konnte er übernehmen, baute diesen zu einer Reitanlage aus und errichtete ein Doppelhaus für sich, seine Frau Marita und Tochter Ute mit Ehemann Reno.

Es wurde wieder ein eigenständiger Verein in Schwaan gegründet mit Walter Burmeister an der Spitze und Turniere veranstaltet. Die florierende Reitanlage wird aktuell von Tochter Ute und ihrem Ehemann Reno bewirtschaftet. Auch züchterisch betätigte sich die Familie wieder mehr. Mehr als 30 Sportpferde hat Walter Burmeister in Gemeinschaft mit Olaf und der Familie seiner Tochter gezüchtet. Stolz war er auf seine Stute La Luna, die er 1997 mit der Grollus xx-Stute Grollmädchen und Liberty Life gezüchtet hat, die in den Sport ging, als Walter bei den Veteran Jumping Riders nochmal richtig durchstartete.

Von 2002 bis September 2011 im französischen Vittel, bescherte La Luna dem Verstorbenen 196 nationale und internationale Erfolge. 2005 wurde der Schwaaner mit ihr Deutscher Vizemeister bei den Veteran Jumping Riders. Er feierte mit der Stute Siege bei den Nationenpreisen in Gesves (Belgien), Schaffhausen (Schweiz), Vittel (Frankreich), Schruns (Österreich) Aach und Karlsruhe. Insgesamt führte Walter Burmeister mit dem eigenen Zuchtprodukt La Luna 18 Mal die Ehrenrunden als Sieger an.

In den letzten Jahren plagten ihn verschiedene Gebrechen. Doch er gab nie auf und freute sich, dass er die sportlichen Anfänge seiner beiden Enkelinnen Ann-Chantal und Alexa noch erleben und begleiten konnte. Zumal mit Pferden wie dem selbstgezogenen Hengst Chemnitz B und Honeur S, den er eigentlich noch für sich gekauft hatte. Walter Burmeister hinterlässt eine große Lücke und wird der Pferdesportgemeinschaft fehlen. Wir verneigen uns vor einer großen Pferdepersönlichkeit, unser Mitgefühl gilt seiner Ehefrau Marita und seinen Familienmitgliedern. (fw)

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