Sportjournalist Wolfgang Schilhaneck verstorben
Erschienen am 21.07.2026
Wolfgang Schilhaneck war zu DDR-Zeiten ein gefragter Sportjournalist. Nun ist er im 97. Lebensjahr gestorben. © H.J.Begall
Nach fast 97 Jahren hat der Journalist Wolfgang Schilhaneck sein Leben vollendet. Als der gelernte Vermessungstechniker 1952 als Sportredakteur beim „Bauern-Echo“ anfing, war der Landsport sein Metier. Da waren die vielen Reiter, Gespannfahrer und Voltigierer, deren Leistungen er zwischen Ostsee und Thüringer Wald aufzeichnete. Von 1969 bis zur Wende war der Berliner zudem verantwortlicher Redakteur des DDR-Verbandsorgans „Pferd & Sport“. Er berichtete von den Erfolgen der DDR-Dressurreiter bei der EM in Wolfsburg sowie der WM in Aachen und begleitete Springreiter-Equipen ins benachbarte osteuropäische Ausland. Auch bei drei Olympischen Spielen war er live dabei.
Wolfgang Schilhaneck kämpfte um jedes Gramm Papier, das vom DDR-Presseamt kontingentiert wurde. Und er hatte Erfolg. Unter seiner Leitung konnte das Format des Verbandsorgans von A5 auf A4 vergrößert werden. 1990 erreichte „Pferd & Sport“ eine Auflage von 7.200 bis sie dann vom letzten ostdeutschen DRV-Präsidenten an die Reiter-Revue für eine DM je Abonnent verkauft wurde. Für die Zuarbeit von Beiträgen konnte Schilhaneck in den Jahren Freizeitsportler, Trainer und Wissenschaftler gewinnen. Zu kämpfen hatte er dabei stets mit der Aktualität, da auch die Druckhaus-Kapazitäten in der DDR beschränkt waren. Oft kam das Magazin viele Wochen erst später beim Kunden an.
Der damalige Pferdesportverbands-Geschäftsführer Erich Oese hatte anfangs die Idee, dass der Pferde-Bazillus dem Redakteur im Hengstdepot Redefin eingeimpft werden sollte. Der Berliner wurde zu einem Wochenlehrgang nach Mecklenburg geschickt, um das Reiten zu erlernen. Geblieben ist nur die Erinnerung, dass seine damalige erste Frau ihn abends die Oberschenkel kühlen musste. Ein Reiter wurde er nicht, da war dem Berliner das runde Leder doch lieber. Seine Leidenschaft war der Fußball. Beim Sportverein Empor Hohenschönhausen stand Schille, wie er von Kollegen und Freunden gerufen wurde, im Tor und wurde Berliner Meister. Später moderierte er noch nebenbei viele Fußballturniere in der Werner-Seelenbinder-Halle in der DDR-Hauptstadt.
Mit der Wende kam das Aus vieler Zeitungen und so auch für das Deutsche Landblatt, das aus dem Bauern-Echo hervorgegangen war. Wolfgang Schilhaneck legte keineswegs die Hände in den Schoß und wurde als Rentner noch freier Mitarbeiter vieler Fachzeitungen. Wenn auch sein Augenleiden bei der Arbeit ein Handicap war, so war er der Mann, der Hintergrund-Geschichten aufschreiben konnte. Am Ende seines Lebens konnte Wolfgang Schilhaneck jedoch eine schwere Krankheit nicht überwinden. „Mein Mann hat in den letzten Wochen schwer gelitten. Ihm wurde eine neue Kniescheibe eingesetzt und die verursachte durch eine Sepsis schwere Schmerzen“, sagt seine Frau Ilona, mit der er fast 46 Jahre verheiratet war. Am 17. Juli gaben die Familie und Freunde auf dem Friedhof in Großbeeren das letzte Geleit für einen langjährigen Pferdesport-Journalisten. (Hans-Joachim Begall)

