Hartmut Platzek - Redefiner Landstallmeister a.D. - gestorben
Erschienen am 02.02.2026
Er war ein Mann der leisen Töne und ein leidenschaftlicher Verfechter von Traditionen in der Pferdezucht.
Hartmut Platzek, Redefiner Landstallmeister a.D., ist im 82. Lebensjahr gestorben. © Jutta Wego
Wir erhielten die traurige Nachricht, dass Hartmut Platzek, ehemaliger Landstallmeister des Landgestüts Redefin, am 30. Januar im 82. Lebensjahr ganz plötzlich an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben ist. Sein ganzes Leben hat der im Juli 1944 in Ortelsburg im ostpreußischen Ermland südöstlich von Allenstein, dem heutigen Olsztyn, geborene Sohn einer Bauernfamilie mit Pferden verbracht.
Seine fachliche Kompetenz in Sachen Pferde und Pferdezucht erkannte Martin Brick (CDU), erster Landwirtschaftsminister nach 1990 in Mecklenburg-Vorpommern, der ihn 1993 zum Landstallmeister im wiedergegründeten Landgestüt Redefin berief. Dieser Aufgabe widmete er sich mit ganzer Hingabe. Zumal ihm die Tradition des Mecklenburger Warmblutpferdes, die eng mit dem Hannoveraner verknüpft ist, besonders am Herzen lag. Ausdruck dessen ist der frühe Ankauf von Hannoveraner Hengsten, um diese Tradition wieder zu beleben. Durch seine Initiative entstand hinter dem traditionellen Portal des alten „Reithauses“ eine moderne doppelte Reithalle.
Schon bald musste er schmerzlich erkennen, dass der Mecklenburger Pferdezucht der Wind kräftig entgegen bläst und Traditionen zunehmend aufgeweicht werden. Hinzu kamen ökonomische Zwänge im Gestütsablauf, die seinen Tagesablauf mit Verhandlungen der Landesregierung mehr und mehr bestimmten. „Das hat mich damals sehr belastet“, sagte er später mal, der doch so gern direkt am Pferd war. Auch Fragen des Denkmalschutzes, die Erhaltung und Rekonstruktion der historischen Gestütsanlage, kulturelle Veranstaltungen verschiedenster Art und vieles mehr beanspruchten den „Pferdemann“ zunehmend. 2009 schied er als Pensionär aus dem Gestütsdienst aus.
Die Lebensgeschichte von Hartmut Platzek gleicht der vieler Familien nach dem 2. Weltkrieg. Erst wenige Monate alt, musste seine Mutter mit Hartmut kriegsbedingt die Flucht aus der geliebten Heimat antreten, die sie auf die Insel Rügen führte. Dort übernahm die Mutter eine kleine Siedlung.
Hartmut Platzek als Landstallmeister im Rahmen einer Hengstpräsentation mit dem Hengst Adeptus (v. Alasca).
© Jutta Wego
Nach Schulzeit, Facharbeiter mit Abitur im VEG Velgast und Landwirtschaftsstudium in Rostock, führte es ihn der Pferde wegen zum VEG Zarnekow/Voigtsdorf bei Grimmen, wo mit Stutenstämmen des früheren Hofbesitzers Plate unter der Federführung von Hans-Karl Strasdas, dem späteren Vizepräsidenten des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern, auf hohem Niveau Pferdezucht betrieben wurde. In Voigtsdorf, wo er zunächst Leitungsfunktionen in der Pflanzenproduktion innehatte und später Abteilungsleiter Tierproduktion wurde, begann Hartmut Platzek auch eine sportliche Karriere als Dressurreiter. Unvergessen sind seine Erfolge mit Bezirksmeistertiteln im Bezirk Rostock auf der Halbblutstute Tannenfee und der Englischen Vollblutstute Prosa xx.
Nach mehr als 8-jähriger Tätigkeit in Voigtsdorf ereilte ihn 1977 ein Ruf aus dem VE-Gestüt Ganschow, wo die Zucht des ostpreußischen Warmblutpferdes Trakehner Abstammung betrieben wurde. Als gebürtiger Ostpreuße nahm er das Angebot als Produktionsleiter gern an. Er nutze die Zeit, um sein zweites Staatsexamen zu machen, das der diplomierte Landwirt mit dem Titel „Tierzuchtleiter“ abschloss. Nach dem Ausscheiden des damaligen Direktors Heino Stiegert wurde Hartmut Platzek 1985 Direktor des Gestüts, das damals zirka 650 Pferde hatte.
Das züchterische Gespür für wertvolle Stutenfamilien prägte sich bei Hartmut Platzek in Ganschow besonders aus. Als Beispiel sei die Familie der 1939 geborenen Trakehner Stute Darstellerin genannt, die im Gestüt Ganschow gepflegt wurde. Aus dieser Familie, die bis auf die 1913 geborene Stute Domino (v. Dingo x Grenadier) zurückverfolgt werden kann, ist die Trakehner Stute TSF Dalera BB (v. Easy Game) hervorgegangen, mit der Jessica von Bredow-Werndl 2024 in Paris Dressur-Olympiasiegerin geworden ist. Das war für Hartmut Platzek eine besondere späte Genugtuung. Wertvolle Hengste wie die Trakehner Trafaret (v. Almanach I), Altan II (v. Vers I) oder Sonnenstrahl (v. Trafaret) sowie Warmbluthengste wie Kolibri (v. Kobold I), Dispondeus (v. Disponent), Distello (v. Disponent), Duralin I (v. Duran) und viele weitere, die in Ganschow unter seiner Leitung aufgezogen wurden, wirkten in der DDR nachhaltig.
1993 ließ sich Hartmut Platzek erneut in die Pflicht nehmen und zog mit seiner Frau Gudrun, mit der er eine Tochter hat, in die Schulstraße nach Redefin und wirkte 16 Jahre nachhaltig als Landstallmeister. Er war bei seinen Mitarbeitern beliebt und pflegte ein enges Verhältnis zum Pferdezucht- und Pferdesportverband des Landes. Der Verstorbene war Mitglied im Fachbeirat für Pferdezucht bei der Landesforschungsanstalt, in Kör- und anderen Bewertungskommissionen, sowie geborenes Mitglied im Vorstand des Verbandes der Pferdezüchter Mecklenburg-Vorpommern.
Für sein Wirken erhielt er hohe Auszeichnungen. Unter anderem bereits 1974 die Ehrennadel des Pferdesportverbandes der DDR in Silber, 1999 die „Siegfried Freiherr von Schrötter-Wohnsdorff-Medaille” des Trakehner Verbandes und 2007 den Tierzuchtpreis des Landes Mecklenburg-Vorpommern, überreicht durch Minister Dr. Till Backhaus.
Mit Hartmut Platzek verliert Mecklenburg-Vorpommern eine seiner prägenden Persönlichkeiten der Pferdezucht. Und einen Menschen, der das Landgestüt Redefin mit Herz, Pflichtbewusstsein und großer Loyalität begleitet hat. Sein Wirken und seine Persönlichkeit bleiben unvergessen. Unser aller Mitgefühl gilt seiner Familie. (fw)

