Historie: Der Pferdesport in der DDR (14. Folge) 1969

Erschienen am 15.01.2022

Liebe Pferde- und Reitsportfreunde, die Ihr Euch für die Geschehnisse des Pferdesports in der DDR vor 1990 interessiert. In 13 Folgen haben wir die Jahre 1952 bis 1968 beleuchtet und bis April 2020 auf dieser Plattform darüber berichtet. Seit Mai 2021 laufende Verhandlungen mit den Fördereinrichtungen des Landes Mecklenburg-Vorpommern, aus dem Werk von Erich Oese ein Buch beim FN-Verlag drucken zu lassen, haben uns veranlasst die Serie zu unterbrechen, um das Förderprojekt nicht zu gefährden. Jetzt können wir sagen, dass die Förderung des Buchprojektes bewilligt wurde, so dass die Wirtschaftlichkeit für den Drck dieses Buches überschaubar wird. Dafür danken wir dem Land Mecklenburg-Vorpommern und dem Reit- und Fahrverein Gadebusch, mit Dr. Lothar Makowei an der Spitze, der diese Förderung für uns alle beantragt hat.

Es sind noch viele Vorarbeiten notwendig, die ich zusammen mit meinem Freund Hans-Joachim Begall, langjähriger Geschäftsführer im Pferdesportverband MV und aktuell Vorsitzender der Landeskommission, angehe, bevor das Buch gedruckt werden kann. Wir denken aber, dass die 2. Jahreshälfte 2022 ein realistischer Zeitpunkt ist, dass das Buch erscheinen kann. Wir werden rechtzeitig informieren.

Eine Bitte noch: Wir haben zwar einen Fundus an Fotos. Sind aber noch an weiteren scan- und druckfähigen Fotos aus den Jahren von 1952 bis 1990 interessiert. Wer dazu etwas beitragen kann, wird gebeten mir die Fotos zu schicken. Wir scannen sie und schicken sie dann zurück an den Absender. Bitte darauf achten, dass uns die Quelle, also der Bildautor genannt wird und dass das/die Foto(s) frei von Rechten anderer sind. Vielen Dank! Meine Postadresse: Franz Wego, Parkweg 6, 18196 Dummerstorf.

 

Das sind die drei Dressurreiter, die in Wolfsburg Vize-Europameister in der Mannschaftswertung wurden: (v.l.) Gerhard Brockmüller auf Tristan, Horst Köhler auf Neuschnee und Wolfgang Müller auf Marios. ©Große

 

Heute eine weitere Folge, die 14. aus dem Werk von Erich Oese (Berlin) mit Quellen von Dr. Günter Seyffart zum Pferdesport in der DDR. Wir werfen einen Blick auf das Jahr 1969.

1969 - Zwei Klassen im Turniersport 

Schaffung einer neuen Kategorie von Turnieren

In den vorangegangenen Jahren hatten die unterschiedlichen Bedingungen, unter denen einerseits die Reiter der Sportklubs und andererseits die Reiter/innen in Sportgemeinschaften arbeiteten, zu einer fast unüberwindbaren Kluft geführt. In den Sportklubs standen jedem Reiter mehrere Pferde zur Verfügung. Erfahrene Trainer waren hauptamtlich tätig. Es war ausreichend Zeit für Ausbildung und Training der Pferde vorhanden. Für den Nachwuchs an jungen, veranlagten Pferden hatten die Sportklubs günstigere Ankaufsmöglichkeiten, da sie sowohl über die erforderlichen finanziellen Mittel als auch über enge Geschäftsbeziehungen zu den Zuchtleitungen verfügten. Sportlehrer sorgten für das erforderliche Körpertraining der Sportler. Die Trainingsanlagen waren mit allem Nötigen bestens ausgestattet. Reiter und Pferde befanden sich unter ständiger ärztlicher bzw. tierärztlicher Kontrolle. So war bereits 1963 Herr Dr. med. vet. Wilfried Richter, Leiter der Außenstelle Hoppegarten der Tierklinik der Humboldt-Universität zu Berlin, ein außerordentlich erfahrener Pferdetierarzt, in das Präsidium des DPV kooptiert worden. Seine Aufgabe im Rahmen einer Kommission, der die Herren Prof. Lyhs und Dr. Wachtel von der Berliner sowie Dr. Gürtler und Dr. Schneider von der Leipziger Universität angehörten, bestand in der Organisierung einer intensiven Gesundheitsvorsorge der Leistungspferde in den Sportklubs zur Vorbereitung auf internationale Wettkämpfe. Dazu gab es noch eine kontinuierliche Zusammenarbeit mit dem "Institut für Arbeitsmedizin und Berufskrankheiten" auf dem Gebiet radiotelemetrischer Untersuchungen bei Reitern und Pferden. Selbstverständlich wurden Mannschaften bei größeren internationalen Wettkämpfen wie Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften von einem Tierarzt, in den meisten Fällen Herrn Dr. W. Richter, betreut.

Die Reiter/innen in den Sportgemeinschaften hingegen gingen in der Regel ihrer beruflichen Arbeit nach. Nur in einigen LPG war es möglich, innerhalb der Arbeitszeit zu trainieren. Erfahrene Ausbilder und Trainer standen nur in wenigen Fällen zur Verfügung. Gute, ausgebildete Pferde waren fast nicht zu bekommen. Die von den Sportklubs an Sportgemeinschaften abgegebenen Pferde hatten sich dort als nicht oder nicht mehr leistungsfähig genug erwiesen. In einer Reihe von Sportgemeinschaften, die ihre Reiter zu Turnieren schickten, war mangels einer Reithalle das Wintertraining eingeschränkt. Selbst hinsichtlich einer leistungsgerechten Fütterung gab es mancherorts Probleme, da Futtermittel kontingentiert waren. Es muss allerdings an dieser Stelle auch erwähnt werden, dass es den Pferdesportlern in den Sportgemeinschaften, besonders auch von LPG, gelang, ihre Trainingsmöglichkeiten, größtenteils mit Unterstützung durch für Pferdesport und -zucht engagierte Vorsitzende, wesentlich zu verbessern, ohne allerdings mit wenigen Ausnahmen an das Niveau der Sportklubs herankommen zu können. Die Folge war eben der genannte Unterschied im Leistungsniveau und, daraus resultierend, ein Schwinden der Leistungsmotivation.

Diese Erscheinung trat nicht nur im Pferdesport auf. Sie zeigte sich in einer großen Anzahl von Sportarten. Der DTSB regte daher die Schaffung einer Sonderklasse an, die den Klubsportlern vorbehalten war. Die besten Sportler aus den Sportgemeinschaften konnten in einer "Allgemeinen Klasse" ebenfalls Meistertitel erwerben.

Schon seit April 1968 hatte eine zeitweilige Kommission des Präsidiums sich mit dem Problem der Gestaltung der Wettkämpfe in den beiden Klassen beschäftigt und in einer Arbeitstagung mit den Bezirksfachausschüssen im November ihren Vorschlag vorgelegt und diskutiert. Am 26.01.1969 fasste dann das Präsidium folgenden Beschluss für die Allgemeine und die Sonderklasse:

A. Allgemeine Klasse

1. Im Turnierjahr 1969 werden an Stelle des Republikwettkampfes der Bezirke erstmalig Deutsche Meisterschaften der Allgemeinen Klasse in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit durchgeführt. In allen Prüfungen erfolgt eine Trennung zwischen Damen und Herren.

2. Teilnahmeberechtigt sind alle Reiter/innen, die einer Sektion des DPV angehören und nicht Mitglied eines pferdesporttreibenden Sportclubs sind. Auch Pferde im Besitz dieser Clubs sind ausgeschlossen.

3. Zugelassen für das Meisterschaftsturnier sind in erster Linie die Bezirksmeister der betreffenden Disziplinen, ermittelt auf Bezirksmeisterschafts-Wertungsturnieren eines Bezirkes oder mehrerer Bezirke gemeinsam unter Meisterschaftsanforderungen (maximal insgesamt 90 Teilnehmer). Um den leistungsstärksten Bezirken, die über eine größere Anzahl von solchen Reiter/innen verfügen, die den Anschluss zur Sonderklasse herstellen und in der Lage sind, mit den Clubreitern zu konkurrieren (im Springen bis Kl. S), eine zusätzliche Qualifikationsmöglichkeit zu geben, wird eine begrenzte Anzahl der auf Qualifikationsturnieren der Sonderklasse erfolgreichsten Bezirksreiter (ermittelt nach einem Punktsystem) bis zur Grenze von maximal insgesamt ca. 110 Reiter/innen und ca. 170 Pferden zusätzlich zum Meisterschaftsturnier zugelassen.

4. Auf dem Meisterschaftsturnier kann jeder Teilnehmer maximal zwei Pferde starten, sofern die 2. Pferde ihre Eignung für die betreffende Meisterschaftsprüfung auf Bezirksmeisterschafts-Wertungsturnieren bzw. Qualifikationsturnieren (Springpferde auf Qualifikationsturnieren in Prüfungen bis Kl. S) bewiesen haben.

5. Die Meisterschaftsprüfungen der Damen in Dressur und Springen finden auf dem Meisterschaftsturnier der Sonderklasse statt.

6. Meisterschaftsprüfungen:
Dressur:
Kombinierte Dressurprüfung Kl. M (Aufgabe 35, 39, St.Georg-Preis, Platzziffernsystem, Bewertungsverhältnis: 1 : 2 : 3)
Springen:

2 Springen Kl. M mit Stechen als Qualifikation, Finale der 15 Besten, Kl. M, zweimaliger Umlauf, einmaliges Stechen (jeweils Höchstanforderungen)
Vielseitigkeit:
Military-Vorbereitungsprüfung Kl. L (LPO 513)

7. Die Deutsche Fahrmeisterschaft der allgemeinen Klasse wird wie bisher durchgeführt.

B. Sonderklasse

1. Im Turnierjahr 1969 werden erstmalig Deutsche Meisterschaften der Sonderklasse in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit durchgeführt. Eine Trennung zwischen Damen und Herren erfolgt nicht.

2. Teilnahmeberechtigt sind alle Reiter/innen, die ihre Eignung für die Meisterschaftsprüfungen auf den vorangegangenen Qualifikationsturnieren der Sonderklasse in Prüfungen bis einschließlich Grand Prix de Dressage bzw. Großer Springpreis (1,60 m) oder entsprechenden internationalen Wettkämpfen im In- und Ausland unter Beweis gestellt haben. Reiter/innen, die am Meisterschaftsturnier der allgemeinen Klasse teilgenommen haben, sind ausgeschlossen.

3) Meisterschaftsanforderungen:
Dressur: 
Kombinierte Dressurprüfung Kl. S (Intermédiaire, Grand Prix de Dressage)
Springen:
Springprüfung Kl. Sa, (1,60 m), zweimaliger Umlauf, einmaliges Stechen
Vielseitigkeit:
Military (verkürzt)

Einzelheiten der Durchführung werden im Einvernehmen mit dem Trainerrat festgelegt und zu gegebener Zeit veröffentlicht.
In etwas später veröffentlichten Bestimmungen wurden die für die Qualifikationsturniere und die Bezirksmeisterschaften gültigen Regeln bekanntgegeben.

Für die Qualifikationsturniere wurde festgelegt:
1. Zur Teilnahme an den Qualifikationsturnieren sind sämtliche Klubreiter der betreffenden Disziplinen mit ihren Spitzen- und Nachwuchspferden verpflichtet, sofern nicht für bestimmte Reiter und Pferde vom Verbandstrainer anderweitige Festlegungen getroffen werden.

2. Reiter/innen, die nicht den pferdesporttreibenden Sportklubs angehören, können nur dann zu den Qualifikationsturnieren zugelassen werden, wenn ihre bisherigen Leistungen erwarten lassen, dass sie den hohen Anforderungen eines Qualifikationsturnieres gewachsen sind. Sie müssen in der Lage sein, wenn sie sich für die Deutschen Meisterschaften der Sonderklasse qualifizieren wollen, in Dressurprüfungen bis einschließlich Grand Prix de Dressage bzw. in Springprüfungen bis einschließlich Großer Springpreis (1,60 m) entsprechend erfolgreich zu konkurrieren, und, wenn sie sich für die Deutschen Meisterschaften der Allgemeinen Klasse qualifizieren wollen, in Dressurprüfungen bis einschließlich St.-Georg-Preis bzw. in Springprüfungen bis einschließlich 1,40 m entsprechend erfolgreich zu konkurrieren.

Für die Bezirksmeisterschaften wurden nachstehende Regeln getroffen:
1. Die Durchführung von Bezirksmeisterschaften in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit ist die Voraussetzung für die Entsendung der Reiter/innen zu den Deutschen Meisterschaften der allgemeinen Klasse.

2. Die Ermittlung der Bezirksmeister in den Disziplinen Dressur, Springen und Vielseitigkeit soll möglichst auf mehreren Bezirksmeisterschafts-Wertungsturnieren (BWT) (davon wenigstens ein A-Turnier, die übrigen B/A-Turniere) unter Bedingungen erfolgen, die den Meisterschaftsanforderungen der Allgemeinen Klasse weitgehend entsprechen. Aus den Ergebnissen der BWT sind in jeder Disziplin die Bezirksmeister der Damen und Herren festzustellen, ohne dass innerhalb der Prüfungen eine Trennung zwischen Damen und Herren (die nur in Ausnahmefällen angebracht sein dürfte) zu erfolgen braucht.
Im übrigen bleibt es den Bezirksfachausschüssen überlassen, unter Beachtung der oben aufgeführten allgemeinen Grundsätze den genauen Austragungsmodus und weitere Einzelheiten der Durchführung der Bezirksmeisterschaften entsprechend den örtlichen Bedingungen in eigener Verantwortung festzulegen.

3. Über die Durchführung von Bezirksmeisterschaften der Junioren sowie im Fahren und Voltigieren entscheiden die Bezirksfachausschüsse in eigener Verantwortung.
Wesentliche Änderungen erfuhren auch die Bestimmungen der Juniorenmeisterschaft. Die unterste Jugendklasse kam in Wegfall. Es gab eine Jugendklasse (15-18 Jahre) und wieder eine Juniorenklasse (18-21 Jahre). Die Trennung in Jungen und Mädchen blieb bestehen. Jeder Bezirksfachauschuss durfte in jeder Altersklasse und jeder Disziplin einen Jungen und ein Mädchen nennen, die er auf Grund ihrer Wettkampfergebnisse auswählte. Vom Präsidium war ein C-Kader benannt worden, dessen Angehörige zusätzlich zu den von den BFA ausgewählten Teilnehmern vom Präsidium genannt wurden.

Die Anforderungen an die Pferde (6-jährig, 2. Ausbildungsjahr abgeschlossen) blieben bestehen. Pferde im Besitz der Sportklubs waren nicht zugelassen, sofern nicht ihre ständigen Reiter (mindestens vom Beginn des laufenden Turnierjahres an) auf Grund ihres Alters zu den Meisterschaften zugelassen waren.

Die Anforderungen waren gegenüber den Vorjahren beträchtlich erhöht worden:
Jugendklasse:
Dressur:
2 Dressurprüfungen Kl. M (Sonderaufgaben, erleichtert), 1 Finale Kl. M der drei Besten mit Pferdewechsel
Springen:
2 Springprüfungen Kl. M mit einmaligem Stechen, 1 Finale Kl. M mit Pferdewechsel
Vielseitigkeit:
Military-Vorbereitungsprüfung Kl. L

Junioren:
Dressur: 
Kombinierte Dressurprüfung Kl. M (2 M-Aufgaben, Sankt-Georg-Preis);
Platzziffernsystem. Bewertungsverhältnis 1 : 2 : 3).
Springen:
Kombinierte Springprüfung Kl. M (2 Springprüfungen Kl. M mit einmaligem Stechen, 1 Springprüfung Kl. M mit 2 Umläufen und einmaligem Stechen.
Platzziffernsystem, Bewertungsverhältnis 1 : 1 : 3 (jeweils Höchstanforderungen).
Vielseitigkeit:
Military-Vorbereitungsprüfung Kl. L (Höchstanforderungen)

Für das Zentrale Reit- und Fahrturnier der Landsportler gab es weder Änderungen im Austragungsmodus noch in den Anforderungen. Lediglich die Zulassungsbestimmungen wurden erweitert. Es gab danach nur noch ganz wenige Nichtteilnahmeberechtigte.

Eine für die Entwicklung des Pferdeleistungsprüfungswesens ganz wichtige Entscheidung wurde mit der Einführung der B/A-Turniere getroffen. Im Laufe der Jahre war die Anzahl der A-Turniere zurückgegangen, da sich ihre Kosten erhöhten und viele Veranstalter diese nicht aufbringen konnten. Mit dem Ausweichen auf B-Turniere war der Verzicht auf die Leistungsklasse M verbunden. Aber gerade in den M-Dressuren und M-Springprüfungen hatten sich die Teilnehmerfelder vergrößert. Das Angebot an solchen Prüfungen aber verringerte sich. Zudem nahmen an den A-Turnieren häufig die Reiter der Sportklubs teil, was nicht gerade zur Motivierung von Debütanten beitrug. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, wurde eine Kategorie von Turnieren geschaffen, bei der neben B-Prüfungen, auch eine beschränkte Anzahl von A-Prüfungen ausgeschrieben werden durfte.

Aus diesen Gründen erhielt auch der § 21 der LPO eine völlig neue Fassung:
1. Die Pferdeleistungsprüfungen werden eingeteilt in solche der Kategorie A und solche der Kategorie B.

2. Die Pferdeleistungsschauen werden eingeteilt in:
a) Pferdeleistungsschauen der Kategorie A (A-Turniere):
Auf diesen können alle Leistungsprüfungen der Kategorie A und B durchgeführt werden. Sie bedürfen der Genehmigung durch das Präsidium. Die an das Präsidium abzuführende Turniergenehmigungsgebühr beträgt 100,-M. Die Ausschreibung der Aund B-Prüfungen und die Ergebnise der A-Prüfungen werden im Bulletin veröffentlicht. Der Technische Delegierte (TD) wird vom Präsidium bestimmt. Der Richtergruppe jeder A-Prüfung sollen möglichst zwei A-Richter angehören. Transportkostenzuschuss ist gemäß LPO 40, Ziffer 11, zu zahlen.

b) Pferdeleistungsschauen der Kategorie B (B-Turniere): Auf diesen dürfen nur Leistungsprüfungen der Kategorie B durchgeführt werden. Sie bedürfen der Genehmigung des zuständigen BFA. Eine Turniergenehmigungsgebühr wird vom Präsidium nicht erhoben. Die Ausschreibungen und Ergebnisse werden im Bulletin nicht veröffentlicht. Der Technische Delegierte wird vom BFA bestimmt.

Auf dem B-Turnier soll wenigstens ein A-Richter eingesetzt sein. Transportkostenzuschuss braucht nicht gezahlt zu werden.

c) Pferdeleistungsschauen der Kategorie B mit Sondergenehmigung zur Durchführung von A-Prüfungen (B/A-Turniere): Vorbehaltlich der jährlichen Neufestlegung durch das Präsidium kann für eine begrenzte Anzahl von B-Turnieren die Genehmigung zur Durchführung bestimmter Prüfungen der Kat. A gegeben werden. Für die zu genehmigende Anzahl der B/A-Turniere ist die Anzahl der in dem betreffenden Jahr von dem jeweiligen Bezirk durchgeführten A-Turniere maßgebend. Die Anzahl der zu genehmigenden A-Prüfungen richtet sich danach, ob das B/A-Turnier als Bezirksmeisterschafts-Wertungsturnier (BWT) gilt oder nicht. Für 1969 wird folgende Quote festgelegt:

bei keinem A-Turnier im Bezirk werden bis zu 2 B/A-Turniere,
bei 1 A-Turnier im Bezirk werden bis zu 5 B/A-Turniere,
bei 2 A-Turnieren im Bezirk werden bis zu 8 B/A-Turniere,
bei 3 A-Turnieren im Bezirk werden bis zu 11 B/A-Turniere
usw. genehmigt.

Auf einem B/A-Turnier, das als BWT für die Meisterschaften der allgemeinen Klasse gilt, können bis zu zwei Dressurprüfungen Kl. M, zwei Springprüfungen Kl. M, eine Military-Vorbereitungsprüfung Kl. L und eine Vierspännerprüfung genehmigt werden. Für die übrigen B/A-Turniere können eine Dressurprüfung Kl. M, eine Springprüfung Kl. M, eine Military-Vorbereitungsprüfung Kl. L und eine Vierspännerprüfung genehmigt werden.

B/A-Turniere sind beim Präsidium vor Beginn der Turniersaison zu beantragen. Die Ausschreibungen bedürfen der Genehmigung durch das Präsidium. Die an das Präsidium abzuführende Turniergenehmigungsgebühr beträgt 50,-M.

Für die A-Prüfungen sind Zuchtförderungsprämien gemäß LPO § 41 auszuschreiben und auszuzahlen. Die Ausschreibungen werden im Bulletin nicht veröffentlicht. Die Ergebnisse der Prüfungen werden im Bulletin veröffentlicht. Der Technische Delegierte wird vom Präsidium bestimmt. Der Richtergruppe jeder A-Prüfung soll wenigstens ein A-Richter angehören. Transportkostenzuschuss braucht nicht gezahlt zu werden. Hinsichtlich Reise-, Übernachtungs- und Verpflegungskosten ist wie bei B-Turnieren zu verfahren.

3) Als Leistungsprüfungen der Kategorie A werden vorbehaltlich der jährlichen Neufestlegung durch das Präsidium eingestuft:
a) Eignungsprüfungen für Reitpferde Kl. M; Eignungsprüfungen für Jagdpferde Kl. S; Dressurprüfungen für Reitpferde Kl. M und S; Springprüfungen Kl. M und S; Geländeritte Kl. M und S; Allgemeine Vielseitigkeitsprüfungen für Reitpferde Kl. L und M; Military-Vorbereitungsprüfungen Kl. L und M, Militaries; Eignungsprüfungen für Wagenpferde, Vier- und Mehrspänner; Dressurprüfungen für Wagenpferde, Vier- und Mehrspänner; Hindernis- und Geschicklichkeitsfahren für Vier- und Mehrspänner.
Diese Prüfungen müssen stets (ausgenommen solche gemäß Ziffer 5) als Prüfungen der Kategorie A ausgeschrieben werden (siehe auch LPO).
Eignungs-, Dressur- und Springprüfungen Kl. S, Geländeritte Kl. S, Allgemeine Vielseitigkeitsprüfungen für Reitpferde Kl. M, Military-Vorbereitungsprüfungen Kl. M sowie Militaries dürfen nur auf A-Turnieren zur Durchführung kommen. Die übrigen Prüfungen können auch für B/A-Turniere genehmigt werden.

b) alle übrigen Prüfungen, sofern sie (bei Kombinierten Reit- oder Fahrwettbewerben ihre Teilprüfungen) mit mindestens 300,-M Zuchtförderungsprämien ausgeschrieben sind.

4. Als Leistungsprüfungen der Kategorie B gelten alle Prüfungen, die gemäß Ziffer 3a und b nicht als Prüfungen der Kategorie A definiert sind.

5. Alle Prüfungen für Jugendliche bis 18 Jahre gelten als Prüfungen der Kategorie B, sofern sie nicht mit den entsprechenden Mindestzuchtförderungsprämien gem. LPO 41 oder höher (bei Prüfungen gem. Ziffer 3a) bzw. mit mindestens 300,M Zuchtförderungsprämie ausgeschrieben werden.

Danach konnten Materialprüfungen, Eignungsprüfungen für Reit- und Jagdpferde Kl. L, Dressur- und Springprüfungen Kl. L, Geländeritte Kl. L, Vielseitigkeitsprüfungen für Reitpferde Kl. A und alle Zweispännerprüfungen auch auf A-Turnieren als Prüfungen der Kat. B ausgeschrieben werden. Durch die Verringerung der Anzahl der A-Prüfungen, die für die Festsetzung der Transportkosten maßgebend war, verringerte sich automatisch auch der bereitzustellende Transportkostenzuschuss. Die Kosten für die Veranstalter gingen herunter, die der Teilnehmer stiegen an.

Daneben gab es noch eine ganze Reihe anderer LPO-Änderungen, z.B. die Abschaffung des Begriffes "Chefrichter (techn. Berater)"wurde durch die Bezeichnung "Technischer Delegierter der FN" (bei internationalen Turnieren) bzw. "Technischer Delegierter des Präsidiums" (bei A- und B/A-Turnieren), bzw. "Technischer Delegierter des BFA" (bei B-Turnieren) ersetzt.

Die übrigen LPO-Änderungen waren Angleichungen der Bestimmungen an das Generalreglement der FEI und dessen Spezialreglements für die verschiedenen Disziplinen.

Als ein bedeutender Erfolg wurde damals gewertet, dass das Verbandsmitteilungsblatt PFERD UND SPORT ab Juli 1969 wieder im Format DIN A 4 erscheinen durfte. Damit wurden die Publikationsmöglichkeiten verdoppelt. Sorgen bereiteten jedoch das ehrenamtlich gestaltete Verbandsorgan, dessen Redaktion mittlerweile Wolfgang Schilhaneck, Sportredakteur der Tageszeitung "Bauern-Echo" nebenamtlich übernommen hatte, bis zur Auflösung des Pferdesport-Verbandes. Nicht nur Papiereinsparungsmaßnahmen zwang öfter zur Zusammenfassung von zwei Monatsheften in eins, in vielen Fällen führten auch die verspätete Einreichung von Manuskripten oder technische Schwierigkeiten zu Verzögerungen im Erscheinungsdatum bis zu einem Monat. Seitens des Generalsekretärs wurde mehrfach die Absicht geäußert, PFERD UND SPORT ganz einzustellen. Dem entschiedenen Widerstand einiger Büromitglieder, besonders Prof. Dr. Flade und Erich Oese, war es zu verdanken, dass dem Pferdesport-Verband sein einziges Sprachrohr nicht genommen wurde.

Im Jahre 1969 wurden 24 A-Turniere (incl. Meisterschafts- und Qualifikationsturniere) und 36 B/A-Turniere durchgeführt. Dafür standen 46 Richter der Kategorie A und 96 der Kategorie B zur Verfügung. Von letzteren hatten 45 ihre Ausbildung noch nicht abgeschlossen. Dass im Jahre 1968 nur sieben neue Richter gewonnen worden waren, veranlasste das Präsidium, die Bezirksfachausschüsse auf ihre Verpflichtung zur Ausbildung und Qualifizierung von Richtern ausdrücklich hinzuweisen. Um dem besonderen Nachdruck zu verleihen wurde festgelegt, Prüfungen, bei denen nicht vom Präsidium bestätigte Richter eingesetzt wurden, als "wilde Preisbewerbungen" mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen zu deklarieren was in der LPO bereits festgeschrieben war und die BFA-Funktionäre auf ihre Kontrollverpflichtung in dieser Beziehung verantwortlich zu machen.

Das Aufleben des Sportverkehrs der Bezirke und Sportgemeinschaften mit den östlichen Nachbarländern ließ auch persönliche Beziehungen entstehen, die hin und wieder zu gegenseitigen Richtereinladungen führten. Das Präsidium behielt sich die Genehmigung des Einsatzes von DDR-Richtern im Ausland vor, um zu sichern, dass die Bestimmungen der FEI eingehalten wurden und der Qualifikationsgrad der Eingeladenen der Aufgabe entsprach.

Das ostdeutsche Internationale Turnier, zum zwölften Mal in Leipzig und als Offizielles ausgeschrieben, fand vom 19.22.06. statt, eine Woche nach dem CSIO Olsztyn. Fünf Länder konkurrierten in diesem Jahr miteinander: Polen, Rumänien, UdSSR, Ungarn und Gastgeber DDR.

Am Dressurprogramm mit seinen traditionellen vier Prüfungen nahmen Reiter aus Rumänien, der UdSSR und der DDR teil. 12 Reiter/Pferd-Paare hatten sich in die Starterliste des Sankt-Georg-Preises eingetragen. Sergej Brodsky/Ingas (UdSSR) gewann mit 660 Punkten vor Horst Köhler, der den von Willy Schultheiß angekauften, für die Olympiavorbereitung 1972 vorgesehenen Immanuel (vorher Kassim) ritt, mit 633 Punkten. Auf den weiteren Plätzen folgten Manfred Schantz/Corso xx (DDR 606), Iwan Kalita/Tarif (UdSSR 591), Nicolai Mihalcea/Domina (Rumänien 584) und Lieselotte Beyer/Poinsettia (DDR 540).

Die Intermédiaire-Dressurprüfung am zweiten Veranstaltungstag sah 18 Teilnehmer am Start. Horst Köhler, der diesmal Neuschnee ritt, siegte klar mit 753 Punkten vor Iwan Kalita/Tarif, der es auf 697 Punkte brachte. Zwei Punkte weniger ließen Wolfgang Müller/Marios den dritten Platz. Auf der Ehrenrunde ritten außerdem Iwan Kissimow/Igor (686), Gerhard Brockmüller/Tristan (660) und Sergej Brodsky/Ingas (655).

Das aus international renommierten Richtern bestehende Richterteam setzte sich zusammen aus Mrs. Joan Hall (Großbritannien), Herrn Pot (Niederlande), Herrn Oberst Boltenstern und Herrn Oberst Gustav Nyblaeus (beide Schweden).Dazu kam Oberst E. Heinrich (DDR).

Im Dressur-Preis der Nationen, der seit einigen Jahren fester Bestandteil des CDI in Leipzig war, gingen drei Mannschaften an den Start. Die DDR siegte mit 1302 Punkten (H. Köhler/Neuschnee [664], Gerhard Brockmüller/Tristan [638]). Das Streichergebnis lieferte Wolfgang Müller/Marios [628]. Die UdSSR-Mannschaft rangierte mit 1224 Punkten auf dem zweiten Platz (Iwan Kissimow/Igor [637], Iwan Kalita [587]). Das Streichergebnis mit 570 Punkten brachte die Vorstellung von Sergej Brodsky/Ingas.

Dritte wurde mit 1037 Punkten die rumänische Mannschaft (N. Mihalsea/Domino (545), Molnar/Argint (492). Das Ergebnis von Dumitru Velicu/Dana (436) wurde gestrichen.

Erwartungsgemäß kam im großen Dressurpreis am letzten Turniertag Iwan Kissimow/Igor mit 987 Punkten zum Sieg vor weiteren acht Teilnehmern an der Prüfung. Mit schon erheblichem Abstand (921 Punkte) wurde Gerhard Brockmüller/Tristan Zweiter. Ihm folgte Wolfgang Müller/Marios (912), der sich um einen Punkt vor Elena Petuschkowa/Pepel (911) schob. Nikolai Michailow/Hingan (UdSSR) (836) und Horst Köhler/Neuschnee (834) gingen mit auf die Ehrenrunde.

Die vollständigen Placierungen in den vier Dressurprüfungen gibt die nachstehende Tabelle:

Tab.60: Ergebnisse der Teilnehmerländer in den Dressurprüfungen des CHIO Leipzig 1969

Pl.

Rumänien

UdSSR

DDR

 

SG

NP

SG

Int

NP

GP

SG

Int

NP

GP

1.

-

-

x

-

-

x

-

x

x

-

2.

-

-

-

x

-

-

x

-

x

x

3.

-

-

-

-

x

-

x

x

-

x

4.

-

-

x

x

-

x

-

-

x

-

5.

x

-

-

-

x

x

-

x

-

-

6.

-

-

x

x

-

-

x

-

-

x

 

1

11

12

Anmerkung:
SG     = St-Georg-Preis (12 Teilnehmer)
Int     = Intermédiaire-Dressurprüfung (18 Teilnehmer)
NP    = Preis der Nationen (Dressur) Einzelwertung, ohne Preisgeld (9 Teilnehmer)
GP    = Großer Dressurpreis (9 Teilnehmer)

Auch das Springprogramm des CHIO hatte keinerlei Änderungen erfahren. Im Eröffnungsspringen und dem Abschiedsspringen gingen die Siegestrophäen an einen ungarischen Reiter: Istvan Suti mit Rayogo am ersten Tag und mit Vocztok am letzten.

Von den 40 Teilnehmern am Eröffnungsspringen (1,30 m) blieben außer dem Sieger weitere fünf Paare fehlerfrei, davon drei Polen, ein Russe und ein Ungar. Erst auf den siebenten Platz kam Reinhold Schierle/Kasbek (3/78,2) vor drei Teilnehmern mit einem Abwurf Jan Kowalczyk/Blekot (Polen -59,6) Jürgen Barthel/Freibeuter (DDR -66,1) und Pal Szeplaki/Antaryl (Ungarn 66,3).

Am späten Nachmittag des ersten Turniertages traten 26 Reiter/Pferd-Paare zur zweiten Springprüfung (1,50 m mit einmaligem Stechen) an, fünf von ihnen wurden zum Stechparcours zugelassen. Der einzige fehlerfreie Ritt im Stechen gelang P. Wawryniuk/Poprad (Polen). Mit je einem Abwurf folgten Fredo Kasten/Orkus (4/46,9) und Rudi Beerbohm/ Fakir (4/50,2) auf den Plätzen zwei und drei. St. Stanislaviak/Butan (Polen) kam auf den vierten Rang (8/47, 1) noch vor Jens Niehls/Ja-doch (30,25/80,4), der Fünfter wurde. Aus dem Umlauf kamen noch zwei ostdeutsche Reiter in die Placierung, Hellmuth Gille mit Corlando (4/101,6) als Sechster und mit Biango (4/111,3) als Achter. Dazwischen schob sich Fredo Kasten/Nordstern (4/110, 1) als Siebenter.

Der zweite Nachmittag begann mit einem Sieg von Rudi Beerbohm/Nordsturm (101,1 sek.) im Zeitspringen um den Preis des Leipziger Messeamtes (37 Teilnehmer). Er war als letzter Reiter gestartet. Bis dahin hatte es nach dreifachem polnischem Sieg ausgesehen, denn Marian Kozicki mit Braz xx (107,0) und Blekot xx (110,5) hatte bisher an der Spitze gelegen, gefolgt von Henryk Husz/Chrosna (121,7). Die übrigen sechs Plätze fielen an je zwei Reiter aus der UdSSR (5. und 8.), Ungarn (6. und 9.) und Polen (7. und 10.).

Wie in der zweiten Springprüfung des ersten Turniertages siegte Pjotr Wawryniuk/Poprad (Polen) auch in der des zweiten Turniertages, einer Kombinierten Springprüfung Kl. S (1,40 m) mit anschließendem Stechen (1,60 m), an der 24 Reiter/Pferd-Paare teilnahmen. Der Sieger blieb als Einziger ohne Fehler. Zwei Reiter hatten je einen Abwurf (Hellmuth Gille/Biango und Fredo Kasten/Orkus). Zwei Abwürfe unterliefen drei Reitern: Reinhold Schierle/Finalin, Antonyj Akos/Özike (Ungarn) und Wladyslaw Dziadczyk/Via Vitae (Polen). Mit 12 Fehlerpunkten wurden ebenfalls drei Reiter als Siebente placiert (Hellmuth Gille/Corlando und Rudi Beerbohm mit Fakir und Freiherr.

Vier Ländermannschaften nahmen am Preis der Nationen teil, der mit seinen zwei Umläufen traditionell das Springprogramm des Sonnabends zum größten Teil füllte. Der Parcours war relativ schwer; es gelang nur ein einziger fehlerfreier Ritt (Fredo Kasten/-Orkus 2. Uml.). Die Resultate der Reiter waren insgesamt schlechter als eine Woche zuvor beim CSIO Olsztyn. Nach dem ersten Umlauf lagen Polen und die UdSSR gleichauf (je 20 FP), die Ostdeutschen mussten nach dem Streichergebnis von Hellmuth Gille/Biango (20 FP), die 16 3/4 FP von Reinhold Schierle/Finalin auch in die Wertung des ersten Umlaufs nehmen (28 3/4). Im zweiten Umlauf brachten die DDR-Reiter zwar nur 8 FP auf ihr Konto (gesamt 36 3/4 FP), jedoch reichten den Russen 15 3/4 FP (gesamt 35 3/4), zum Sieg mit nur einem Punkt Vorsprung. Die polnischen Reiter mussten auch im zweiten Umlauf noch einmal 20 FP kassieren (gesamt 40 FP) und kamen damit auf den dritten Platz. Ungarn ließ seinen vierten Reiter im 2. Umlauf nicht starten, da selbst durch einen fehlerfreien Ritt keine Platzverbesserung mehr möglich war (gesamt 80 3/4 FP).

Das für die beim Nationenpreis nicht eingesetzten Pferde vorgesehene Wahlpunktespringen, das 42 Starter sah, wurde ein ostdeutscher Doppelsieg (Fredo Kasten/Nordsturm [124 Pkte.], Hellmuth Gille/Corlando [116 Pkte.]. Die an dritter und vierter Stelle placierten polnischen Paare St. Stanislawiak/Schemat und H. Hucz/Digesta erreichten die gleiche Punktzahl, brauchten jedoch etwas längere Zeit. Unter den sieben weiteren Placierten waren die DDR mit drei (5., 6., 8.), die UdSSR und Polen mit je zwei Reitern vertreten (Polen 9. und 10., UdSSR 7. und 11).

Am Großen Preis der DDR nahmen 21 Reiter/Pferd-Paare teil. Die mit zwei Stechen ausgeschriebene Springprüfung war allerdings nach dem Umlauf schon zu Ende, denn nur Marian Kozicky/Braz (Polen) blieb ohne Fehlerpunkte. Ihm folgte auf dem zweiten Platz sein Landsmann St. Stanislawiak/Butan mit einem Abwurf (111,4 sek.), vor Rudi Beerbohm/Freiherr (4/117,9), Fredo Kasten/Orkus (8/120,4) und zu aller Überraschung der junge Manfred Kussin/Lybelle ( 8 3/4/134,5), der aus Pirna/Sachsen kam, keinem Sportklub angehörte und sich durch eine erfolgreiche Saison für das Leipziger CHIO empfohlen hatte. Heute ist er als Ausbilder im Ehrenamt tätig und betreut als Futtermeister die Pferde der Dresdener Polizeistaffel. Die übrigen drei Placierungen gingen an Viktor Nenachow/Saur (UdSSR [6.] 11/128,2), Henryk Hucz/Deptak (Polen [7.] 12/117,2) und Reinhold Schierle/Kontra [8.] 12/123,9).

Ein Glücksspringen Kl. S für die weniger erfolgreichen Reiter/Pferd-Paare war als Abschiedspreis ausgeschrieben. Sieger wurde wie schon im Eröffnungsspringen der ungarische Reiter Istvan Suti, diesmal mit Vocztok. Von den 26 Teilnehmern wurden acht placiert, darunter Henryk Hucz/Chrosna (Polen 6.) und Antonyi Akos/Rebeka (Ungarn 7.). Die übrigen Placierungen gingen an DDR-Reiter.

Die Placierungen der Teilnehmerländer sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Tab.61: Ergebnisse der Teilnehmerländer in den Springprüfungen des CHIO Leipzig 1969

Pl./Land:

Polen

UdSSR

Ungarn

DDR

1.

3

1

2

2

2.

3

-

-

6

3.

4

-

-

3

4.

4

-

2

3

5.

-

2

-

4

6.

-

-

3

1

7.

3

1

2

6

8.

1

1

-

4

9.

1

-

1

1

10.

2

-

-

-

11.

-

1

-

-

21

6

10

30

 

Die Teilnehmerländer gewannen Geldpreise in mit heutigen Verhältnissen nicht vergleichbarer geringer Höhe.

Tab.62: Ausgezahlte Geldpreise beim CHIO Leipzig 1969

Disziplin

Polen

Rumänien

UdSSR

Ungarn

DDR

Gesamt

Dressur

-

140,-

2.580,-

-

2.780,-

5.500,-

Springen

8725,-

-

990,-

1.645,-

10.245,-

21.605,-

Gesamt

8725,-

140,-

3.570,-

1.645,-

13.025,-

27.105,-

Damit lagen die Geldpreise des CHIO Leipzig 1969 um 14.334,- Mark über dem Niveau des Vorjahres (12.771,-M), waren also mehr als verdoppelt worden. Das angestrebte Ziel, dadurch mehr Teilnehmerländer zu gewinnen, wurde aber nicht erreicht.

Das für den 27.-29.06. ausgeschriebene CHI in Meisdorf, fand auch beim neuerlichen Versuch keine Resonanz. Außer drei ungarischen Springreitern erschienen keine ausländischen Reiter.

Im Jahre 1969 nahm die Anzahl der Auslandsturniere wieder etwas zu. Nach der Ausgliederung der Disziplin Springreiten aus den Sportklubs, wurde jedoch der Schwerpunkt auf die Auslandsstarts der lange benachteiligten Dressurreiter verlegt. Während diese ihre Pferde dreimal auf Turnieren in westlichen Ländern reiten durften, war für die Spring- und Military-Reiter nur je ein Auslandsstart in Polen möglich. Noch vor dem traditionellen Beginn der Turniersaison in der DDR (01.05.) fuhren die Military-Reiter nach Racot (Polen), um dort vom 23.-25.05. gemeinsam mit westdeutschen, polnischen und litauischen Reitern ein CCI zu bestreiten, das gleichzeitig als DDR-Meisterschaft des Jahres 1969 galt. Karl-Heinz Fuhrmann/Saturn II erwarb den Titel durch einen zweiten Platz (+12,7 Punkte) hinter dem Sieger W. Mickunas/Dzemila (Polen +21,0). Die BRD-Vertreter L. Nissen/Pipalox und K. Meigeler/Veibel belegten die nächsten Plätze. Die übrigen ostdeutschen Starter rangierten als 10. (Ullrich Vité/Hubertus [-44,0]), 12. Jürgen Bartel/Picasso [-57,4]), 13. (Joachim Brohmann/Freyer [-66,8]), 16. (Volker Tonn/Martenstein [86,5]) und 19. (Ullrich Vité/Tannenwald [-123,5]) von insgesamt 33 Startern.

Die Springreiter nahmen am CSIO Olsztyn vom 08.-15.06. teil, wo sie auf Reiter aus der BRD, Frankreich, Polen, der UdSSR und Ungarn trafen. Von 11 Springprüfungen gingen drei an ostdeutsche Reiter: der Preis der Masurischen Seen, ein 1,30 m-Springen an Hellmuth Gille/Corlando, der Preis der Sieger (1,60 m) an Rudi Beerbohm/Freiherr und der Abschiedspreis (1,40 m) an Fredo Kasten/Orkus. Die Placierungen insgesamt sind in der nachstehenden Tabelle erfasst.

Tab.63: Ergebnisse der ostdeutschen Reiter beim CSIO Olsztyn 1969

Pl.

Rudi Beerbohm

Hellmuth Gille

Fredo Kasten

Dieter Meinhardt

Reinhold Schierle

 

Fakir

Freiherr

Nordsturm

Bianca

Corlando

Fer.

Nordstern

Orkus

Fermor II

Flock

Finalin

Kontra

1.

-

1

-

-

1

-

-

1

-

-

-

-

2.

-

1

-

2

1

-

-

2

-

-

-

-

3.

-

1

-

1

-

1

-

1

-

-

1

-

4.

2

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

5.

-

1

-

-

-

-

1

1

1

-

-

-

7.

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

1

1

9.

1

-

1

-

-

-

-

-

1

-

-

-

10.

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

-

3

11.

-

-

-

1

-

-

-

-

-

-

-

-

15.

-

-

-

-

-

-

-

-

-

1

-

-

 

8

6

7

3

6

Die Gewinnsumme an Preisgeld betrug 5.160 Mark.

Mehr als in den Vorjahren hatten die Dressurreiter die Möglichkeit zu Starts im Ausland erhalten. Sie standen nach den Ergebnissen der Olympischen Spiele in Mexico-City noch in der Gunst der Sportleitung und sollten sich auf die Olympischen Spiele in München vorbereiten, wo der DDR-Sport seine deutliche Überlegenheit gegenüber den westdeutschen Sportlern eindeutig unter Beweis stellen wollte.

Die erste Dressurexpedition hatte gleich die Europameisterschaft der Dressurreiter (CDIO) in Wolfsburg (28.-31.08.) zum Ziel. Neben der Bundesrepublik Deutschland hatten Dänemark, die DDR, die Schweiz und die UdSSR-Reiter in die Volkswagenstadt geschickt.

In der Intermédiaire-Dressurprüfung des ersten Tages stand Horst Köhler/Neuschnee (725 Punkte) bei der Siegerehrung am rechten Flügel, links neben ihm Josef Neckermann/Cantate II (698). Bereits auf dem dritten Platz fand sich Gerhard Brockmüller/Tristan (694), vor den mit gleicher Punktzahl (670) auf dem vierten Platz ex aequo placierten Vroni Meier Johann/Waldfee und Christine Stückelberger/Merry Boy. In der Mannschaftswertung siegten die ostdeutschen Dressurreiter ebenfalls (2008 Punkte). Dann folgten die UdSSR (1986), die BRD (1964), Dänemark (1815) und die Schweiz (1768). Die westdeutsche Mannschaft hatte allerdings nicht die stärksten Reiter/Pferd-Paare nominiert. Sie hätte sonst um 26 Punkte vor den Ostdeutschen gelegen.

In der Europameisterschaftsprüfung Grand Prix de Dressage mit Stechen änderte sich das Bild. Während die drei westdeutschen Reiter alle das Stechen erreichten, gelang dies von den ostdeutschen nur Horst Köhler und Wolfgang Müller. Von den russischen Reitern durfte nur der Petersburger Iwan Kissimow/Igor an der zweiten Runde teilnehmen.

Europameisterin wurde nach einer überzeugenden Vorstellung von Piaff Liselotte Linsenhoff (1687 Punkte). Die Silbermedaille ging an Iwan Kissimow/Igor (1639). Ihm folgte Josef Neckermann/Mari-ano (1609). Die ostdeutschen Reiter wurden 5. (Köhler/Neuschnee 1567), 6. (Müller/Marios 1522) 10. (Brockmüller/Tristan 873).

Mit dieser Massierung auf den vorderen Plätzen gewann die BRD-Vertretung auch die Mannschaftswertung (2918), für die nur die Punkte aus dem Grand Prix gewertet wurden (Liselotte Linsenhoff/Piaff 10 13, Josef Neckermann/Mariano 973 und Dr. Reiner Klimke/Dux 932). Mit dem deutlichen Abstand von 190 Punkten folgten jedoch die Reiter aus dem ostdeutschen Staat (2728). Dazu trugen Horst Köhler 939, Wolfgang Müller 916 und Gerhard Brockmüller 873 Punkte bei. Mit nur fünf Punkten Rückstand kam die russische Mannschaft auf den dritten Platz (Kalita/Tarif 884, Petuschkowa/Pepel 881, Kissimow/Igor 958).

In einer abschließenden Dressurprüfung Kl. S Kür -, die zum Rahmenprogramm gehörte, placierte sich Gerhard Brockmüller/Tristan auf dem vierten Platz hinter Christine Stückelberger/Merry Boy (Schweiz), Wolfgang Haug/Lorot (BRD) und Elena Petuschkowa/Pepel (UdSSR).

Für die ostdeutschen Pferdesportler wirkten die Ergebnisse von Horst Köhler, Wolfgang Müller und Gerhard Brockmüller als Stimulus. Eine stärkere Hinwendung zum Dressurreiten wurde vielerorts in Ansätzen spürbar. Auch der Verband wucherte mit diesem Pfund gegenüber der Sportleitung. Für die hingegen waren die Erfolge auf dem Dressurviereck wesentlich weniger interessant als die Tatsache, dass in Wolfsburg zum ersten Mal nach der Einstellung der sportlichen Beziehungen zwischen den beiden deutschen Staaten im Jahre 1961 die schwarz-rot-goldene Fahne mit dem DDRStaatsemblem aufgezogen worden war. Die Gewinnsumme betrug 2500,- DM, was seinerzeit ca. 10.000,-Mark der DDR gleichkam.

Von Wolfsburg reiste die ostdeutsche Mannschaft direkt zum CHIO nach Rotterdam, wo vom 03.07.09. Reiter aus der BRD, Dänemark, der DDR, Frankreich, Großbritannien, den Niederlanden, Schweden und den USA aufeinandertrafen. Auch hier bestanden die ostdeutschen Dressurreiter die Prüfungen mit guten Erfolgen.

In der Intermédiaire wurde Horst Köhler/Neuschnee (763) Zweiter hinter der holländischen Reiterin Benedictus-Lieftink/Turista (769). Wolfgang Müller/Marios belegte den fünften Platz (704) von 24 Teilnehmern.

Am folgenden Tag gingen Wolfgang Müller/Marios hinter Kurt Capellmann/Granit (BRD) als Zweiter und Gerhard Brockmüller/Tristan als Vierter auf die Ehrenrunde nach einer Dressurkür Kl. S. Letzterer wurde eingerahmt von Gheorge Theodorescu, der Sokrates gleichauf mit Wolfgang Müller auf den zweiten und Van Eick auf den fünften Platz brachte.

Zwei Tage später siegte im Großen Dressurpreis Inge Theodorescu/Marzio (933) vor Horst Köhler/Neuschnee (920). Dritter wurde der Ehegatte der Siegerin Gheorge Theodorescu/(918). Wolfgang Müller/Marios (898) rangierte an sechster Stelle hinter Kurt Capellmann/Granit (904).
1.745 DM war der Gesamt-Geldgewinn.

Nächstes und letztes Ziel war am Ende September (27.-29.) das CHI in Salzburg (Oesterreich). Zusätzlich zu den drei Mannschaftsreitern wurde noch Manfred Schantz/Corso mitgenommen, der bisher noch keine Auslandserfahrung hatte. Das Turnier war nicht sehr stark besetzt. Lediglich einige Reiter aus der BRD und die österreichischen Spitzen stellten sich den Richtern.

Den Sankt-Georg-Preis gewann Ines von Badewitz/Artischocke (BRD 671 Pkt.) vor Wolfgang Müller/Marios (663). An vierter Stelle rangierte Manfred Schantz/Corso (647), der der Siegerin, diesmal mit Hoker, um drei Punkte den dritten Platz überließ.

Die Intermédiaire-Dressurprüfung am zweiten Turniertag gewann Horst Köhler/Neuschnee (738) vor dem BRD-Reiter Kurt Capellmann/Granit (708). Der dritte und vierte Platz ging an die Ostdeutschen Wolfgang Müller/Marios und Gerhard Brockmüller/Tristan (693).

Eine S-Dressurkür am gleichen Tag brachte exakt die gleiche Verteilung der Preisschleifen. Die Gewinnsumme betrug 1.275 Mark.

Übrigens, die Dressurmeisterschaft der Sonderklasse wurde nach den Ergebnissen der CHIO Leipzig, Wolfsburg und Rotterdam im Grand Prix errechnet. Danach ergab sich Wolfgang Müller als neuer Dressurmeister (2726 Pkt.). Vizemeister wurde Gerhard Brockmüller (2711). Horst Köhler musste mit dem dritten Platz vorliebnehmen.

Die Fahrmeisterschaft wurde diesmal nicht in Zerbst durchgeführt, sondern im Zusammenhang mit dem Zentralen Landsportturnier (11. 13.06.) in Leipzig ausgetragen. Sie war wieder den Vierspännern vorbehalten (Dressurprüfung, Fahrerprüfung), aus denen Zweispänner für Dressurprüfung und Geschicklichkeitsfahren ausgewählt wurden. Eine Dauerfahrt konnte in Leipzig nicht durchgeführt werden. So musste der wichtigste Teil der Meisterschaftsprüfung, an der sich sechs Vierspänner beteiligten, entfallen. Der Vorjahresmeister Reinhard Mäkelburg verteidigte seinen Titel mit Siegen in allen vier Teilprüfungen. Vizemeister wurde Manfred Beer (Gera) vor Helmut Reichel (Mittelbach).

Wörmlitz, ein kleiner Ort nahe Magdeburg, war Austragungsort der Junioren-Meisterschaften, die nach einem veränderten Modus gegenüber dem Vorjahr ausgetragen wurden. Die Besetzung der Prüfungen zeigte deutlich, dass in der Nachwuchsarbeit immer noch erhebliche Defizite zu verzeichnen waren. Nicht alle Bezirke verfügten über Jugendliche (14-18 J.) und Junioren (18-21 J.), die in der Lage waren, die Anforderungen in der Klasse M zu erfüllen, die erstmalig in Dressur und Springen die bisherigen Kombinierten Prüfungen ersetzten. Die Gesamtteilnehmerzahl sank von 99 im Jahre 1968 auf 81 Jungen (53) und Mädchen (28).

Von den ersten drei Placierten in allen Meisterschaftsprüfungen sind die Namen der Reiter und Pferde in der Gesamttabelle aller DDR-Reiter (s. Anlage D) angeführt. Deshalb sollen an dieser Stelle nur diejenigen Namen erwähnt werden, die für den ostdeutschen Pferdesport auch in späteren Jahren noch von Bedeutung waren.

Unter den jugendlichen Dressurreitern erwarb Jochen Vetters den Vizemeistertitel. Sein letzter Titel war der des DDR-Meisters 1990, dann allerdings im Grand Prix. 1969 ritt er Balcza, den Gerhard Schulz in der Olympia-Military von Tokio 1964 geritten hatte. Auch der DDR-Meister dieser Klasse, Jürgen Eisele aus Zella-Mehlis hatte mit Liktor von Strölla ein in der Damen-Dressurmeisterschaft erfolgreiches Pferd unter dem Sattel. Im Springreiten gewann Norbert Semmer das Finale der männlichen Jugend. Er war später ein renommierter Trainer, aus dessen Schule in Mücheln so bekannte Reiter wie Rolf Günther (11 Nationenpreise) und Michael Thieme, beide heute Landestrainer in Mecklenburg-Vorpommern hervorgingen. Auf dem Vizemeisterrang endete Ralf Deutschmann, der in den 80iger Jahren 16 Nationenpreise ritt, Bärbel Hartung, die Siegerin in der Springmeisterschaft der weiblichen Jugend, war unter ihrem Ehenamen Heckel lange Jahre eine erfolgreiche Springreiterin.

Von den Vielseitigkeitsreitern hat es der 1969 in der Jugend als Vierter placierte Norbert Köpke nach 1973 zu mehreren Meisterstiteln gebracht, während die Vizemeisterin dieser Klasse, Helga Mazur (nach ihrer Heirat Helga Tonn), als Ausbilderin ihren Sohn Marco zu Ehren im Bernhard-von-Albedyll-Cup (1992) verhalf. Marcos Vater Volker Tonn gehört zu den erfolgreichsten ostdeutschen Reitern im Spring- und Vielseitigkeitssattel. Seinem Namen werden wir noch oft begegnen. Heute ist er Landestrainer in Sachsen.

Bei den 18-21jährigen Reitern wurde im Dressurreiten Hans-Werner Krüger mit der Meisterschärpe ausgezeichnet. Der Demminer ritt später beim Armeesportklub und nach 1973 in Trinwillershagen, ging danach zum Landgestüt (damals Hengstdepot) Redefin und arbeitet auch im Sattel selbst noch aktiv in einem Berliner Reitstall als Ausbilder. Der Name der Juniorenmeisterin, Sabine Richter, ist schon aus den Meisterschafts- und Spartakiade-Prüfungen des Vorjahres bekannt. Von der Junioren-Springmeisterschaft hat Lutz Rohrer, der Gewinner des Meistertitels noch einige Erfolge als Vielseitigkeitsreiter aufzuweisen. Vizemeister Olaf Christoph ritt mehrere Jahre in S-Springen für die Rathenower Reiterei. Der an dritter Stelle placierte Jens Niehls nahm als Military-Reiter an den Olympischen Spielen 1972 in München teil. Von den Springreiterinnen blieben Annelie Böhme, Christel Langner, Regina Falkenthal und Edeltraud Schmidt noch mehrere Jahre im Wettkampfsport, letzte bis in das Jahr 1993. Aus den Meisterschaftsteilnehmern in der Junioren-Vielseitigkeit sieht man lediglich den Fünftplatzierten noch im Springsattel.

Grimma, Kreisstadt in Nordsachsen, hatte sich in den vorhergehenden Jahren schon zu einem Vielseitigkeitszentrum entwickelt. Inspirator war der Schmiedemeister Arno Butscher, damals Vorsitzender des Bezirksfachausschusses Leipzig des Pferdesport-Verbandes. Er trainierte seine beiden Söhne Gert und Frank sowie einige weitere Jugendliche, bebaute das Gelände um seine Anlage und die Muldenwiesen mit Geländehindernissen und einem Turnierplatz und schuf damit auch Vorausset-zungen für Vielseitigkeitsprüfungen, die erstmalig im Jahre 1969 bei den Vielseitigkeitsmeisterschaften der Allgemeinen Klasse in Form einer verkürzten Military genutzt wurden. Gleich beim ersten Versuch erwarb Wolfgang Gey/Schelm den Meistertitel bei den Herren. Von den Reitern, die mit ihm auf die Ehrenrunde gingen, verdienen besondere Erwähnung: Manfred Horn/Delano (3.), der sich bis heute als Richter für die Military in Thüringen einsetzt, Erich Prüter/Feldflocky (4.), der nach Beendigung seiner langjährigen Vielseitigkeitslaufbahn Zweispännerfahrer wurde und sich heute bei den Organisatoren des CSI Dummerstorf nützlich macht, Friedrich Sasse/Normadenjunge (5.), einer der Organisatoren der Military-Prüfungen in Krusemark und Thomas Treptow/Benzo (6.), ehemals Organisator der Stendaler Military-Turniere und -Meisterschaften, nun wie erwähnt für Kruse-mark tätig. Bei den Damen starteten nur zwei Pferde unter einer Reiterin, die dadurch Meisterund Vizemeistertitel zusammen gewann: Gerti Vannauer (Berlin-Blankenfelde).

Güstrow, häufig Heimstatt größerer Turnierveranstaltungen, beherbergte 1969 die Teilnehmer an der Dresssur- und Springmeisterschaft der Damen und Herren in der neugeschaffenen "Allgemeinen Klasse".

In der Dressur siegte Lieselotte Beyer/Poinsettia in allen drei Wertungsprüfungen (2 M-Dressuren und Sankt-Georg-Preis) und errang damit den Meistertitel vor Margit Böhme/Fliska xx und Ute Raabe/Spreewaldfee. Beide Reiterinnen stammten aus Berlin. Erstere bildete später Pferde bis zum Grand Prix aus und nahm an Auslandsstarts in Polen teil. Sie gehörte viele Jahre zur Spitzengruppe der Damen.

Bei den Herren schob sich Norbert Grobe/Greif-zu an die Spitze. Besitzer einer Strickwarenfabrik in Apolda und Bruder der Dressurmeisterin von 1963, hatte er sich schon lange in der Spitzengruppe der Dressurreiter etabliert, konnte jedoch gegen die Phalanx der Klubreiter nicht ankommen. Genauso ging es dem Demminer Goldschmiedemeister Hans Plog, der den Vizemeistertitel erwarb. Die Anforderungen waren übrigens die gleichen wie bei den Damen.

In der Damen-Springmeisterschaft (nach zwei Qualifikationen in Kl. M mit Stechen) fiel die Entscheidung in einem M-Springen mit zwei Umläufen für Heidrun Hufsky/Abu Erbe (Gadebusch), die Vorjahresvierte. Angela Wagner/Hella (Leipzig), die unter ihrem Mädchennamen Reinhardt bereits 1962 den Vizemeistertitel gewonnen hatte, errang diesen zum zweiten Mal.

Nach der Auflösung der Springmannschaften der Sportklubs gab es auch keine Springmeisterschaften der Sonderklasse. Die Reiter hatten sich, soweit sie weiter aktiv reiten wollten, anderen Vereinen angeschlossen. Teilweise wurden auch die Pferde von landwirtschaftlichen Betrieben übernommen. Das traf, zum Beispiel, auf den DDR-Meister 1969, Arndt Hartmann, zu, der vom SC Halle mit dem Klubpferd Ja-doch vom Volkseigenen Gut in Mücheln übernommen wurde und dort einige Jahre ritt. Auch Heinz Schulenburg, der beim SC Dynamo noch in der zweiten Reihe gestanden hatte, fand in der wirtschaftlich starken LPG in Trinwillershagen bei Ribnitz-Damgarten eine neue Heimstatt und gute Pferde. Vizemeister des Jahres 1969 wurde Hans-Heinrich Wittig aus Klein Mockritz, der zu den Reitern gehörte, die stets den Anschluss an die Gruppe der Klubreiter hielten. Mit der Auflösung der Springmannschaften in den Sportklubs, wurden Rudi Beerbohm und Hellmuth Gille zur Military "versetzt". Manfred Nietzschmann kehrte in seinen Zivilberuf als Maurer zurück. Werner Hakus, der kurz zuvor einen schweren Unfall im Training hatte, übernahm eine andere Funktion im Sportklub Dynamo. Fredo Kasten und Reinhold Schierle bekamen Positionen außerhalb des Sports. Von den Ausgeschiedenen sind Hellmuth Gille bis heute, Rudi Beerbohm und Reinhold Schierle noch einige Jahre dem Springsport treu geblieben. Für den Leistungssport im Springreiten Ostdeutschlands war die Auflösung der Klubmannschaften ein schwerer Schlag, von dem sich der Springsport nur schwer erholen konnte, selbst nicht bei der guten Unterstützung, die einige der Springreiter und -trainer in Sportgemeinschaften erfuhren.

Die Championatswertung des Jahres 1969 wies aus:
Dressur:
77 Reiter/innen hatten Punkte erhalten. Die Spitzengruppe wurde gebildet von Norbert Grobe (Apolda), Wolfgang Müller (Armeesportklub), Lieselotte Beyer (Riesa) und Horst Köhler (Armeesportklub). Die Ursache für das Zurückfallen von Gerhard Brockmüller auf Platz 8 waren die Startbeschränkungen für den Olympiakader

Springen:
Im Springreiten konnten 158 Reiter/innen im Championat gewertet werden (1968: 129). An der Spitze der Championatsliste standen die Namen Rudi Beerbohm, Hellmuth Gille und Hans-Heinrich Wittig.

Vielseitigkeit:
19 Reiter/innen erhielten Championatspunkte in der Vielseitigkeit (1968: 22). Die Spitzengruppe wurde gebildet von Gerti Vannauer, Karlheinz Fuhrmann und Oswald Ripka.

Fahren:
24 Fahrer erhielten Championatspunkte, vier weniger als 1968. Reinhard Mäkelburg, Hellmuth Reichel und Manfred Beer (Gera-Langenberg) waren auf den ersten drei Plätzen.

Damen:
Dressur:
21 Reiterinnen verzeichnet die Championatsliste (1968: 24). Lieselotte Beyer lag vor Ute Raabe und Sabine Richter an der Spitze.

Springen:
Im Springen erhielten 23 Damen Championatspunkte. Inge Reimer, Heidrun Hufsky und Angela Wagner bildeten die Spitzengruppe.

Vielseitigkeit:
Die Reiterinnen mit Championatspunkten hatten sich gegenüber vier im Vorjahr auf sechs erhöht. Mit Gerti Vannauer, Ilona von Alkier, Angelika Wessel und Inge Reimer belegten vier Berlinerinnen die ersten Plätze.

Jugend:
Die Anzahl der Junioren mit Championatspunkten war von 101 im Jahre 1968 auf 62 zurückgegangen und hatte damit fast das Niveau von 1958 wieder erreicht. Das Fehlen des Drucks, der vom DTSB im Hinblick auf die Spartakiaden ausgeübt wurde, aber auch das Ansteigen der Meisterschaftsanforderungen erklären dies neben der Tatsache des Fehlens der erforderlichen Anzahl geeigneter Pferde.

Sportgemeinschaften:
Die Anzahl der Sportgemeinschaften, deren Mitglieder an Pferdeleistungsprüfungen teilnahmen, erhöhte sich von 123 (1968) auf 134. Noch standen der SC Dynamo Hoppegarten und der Armeesportklub Potsdam oben auf der Liste. Dahinter folgte jedoch die BSG Aufbau Zentrum Berlin. Der SC Halle war auf den 9. Platz zurückgefallen.

Die Anzahl der A-Prüfungen in den verschiedenen Turnierarten und Disziplinen geht aus Tab.64 hervor:

 

Tab.64: A-Turniere und Prüfungen der verschiedenen Disziplinen im Jahre 1968

Disziplin

Klasse/Prü-

CHI, Mei-

Qualifi

Bezirks-

Sonstige

Sonst.

Gesamt

 

fungsart

schafts-

kations

meister-

A-Turniere

B/A-Tur-

 

 

 

sterschafts-

turniere

schafts-

 

niere

 

 

 

turnier

 

wertungs-

 

 

 

 

 

Landsport

 

turnier

 

 

 

 

 

turnier

 

 

 

 

 

Dressur

L

3

4

16

11

2

36

 

M

14

3

9

3

21

50

 

S

8

8

3

2

3

24

 

 

 

 

 

 

 

110

Springen

Rittigkeits-

 

 

 

 

 

 

 

prüfung

1

-

-

1

-

2

 

L

1

4

16

9

5

35

 

M

22

6

11

8

39

86

 

S

7

8

8

3

-

26

 

 

 

 

 

 

 

147

Vielseitig-

 

 

 

 

 

 

 

keit

L

2

-

1

1

2

6

 

M

2

-

-

-

-

2

 

S

-

-

-

-

-

-

 

 

 

 

 

 

 

8

Fahren 2-Sp.

Dressur

1

-

1

2

-

4

 

Hindernisf.

1

-

-

2

-

3

 

Komb.WB

1

-

-

2

-

3

 

 

 

 

 

 

 

10

Fahren 4-Sp.

Dressur

-

-

-

-

2

2

 

Hindernisf.

-

-

-

-

-

-

 

Komb.WB

1

-

-

-

2

3

 

 

 

 

 

 

 

5

Die Einführung der B/A-Turniere wurde angenommen, und im ersten Jahr wurden 36 Turniere dieser Kategorie durchgeführt, die Anzahl der A-Turniere war auf 21 abgesunken (1968: 24). In der Folge davon nahm die Anzahl der Prüfungen in Klasse M um 63 zu (24 Dressurprüfungen, einschließlich 3 Sankt-Georg-Preise, da diese damals als Klasse M zählten, und 39 M-Springen). Außerdem wurden 5 Materialprüfungen und zwei Eignungsprüfungen für Vierspänner durchgeführt. Die Anzahl der Fahrprüfungen hatte erheblich abgenommen, jedoch ausschließlich bei den Zweispännern.

Am Ende der Betrachtungen zum Jahre 1969 soll noch ein Beschluss des "Rates für Landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsgüterwirtschaft", des damaligen leitenden Organs der ostdeutschen Landwirtschaft, erwähnt werden, in dem zwei den Pferdesport tangierende Orientierungen enthalten waren:

1) Das Pferd verlor seine Stellung als landwirtschaftliches Arbeitsmittel mit allen daraus entstehenden Folgen für die Haltung von Arbeitspferden und

2) es wurde die Aufgabe gestellt, den Pferdesport zu einer bestimmenden Sportart auf dem Lande zu machen.

Letztere Aufgabenstellung war besonders für die Breitenentwicklung von Bedeutung, weil dadurch die Betriebe, die bisher Sportpferde gehalten hatten, von dem Vorwurf des "Planverstoßes" befreit und zögerlichen Betriebsleitern die Möglichkeit der Sportpferdehaltung auf Betriebskosten ausdrücklich eingeräumt wurde.

Gleichzeitig wurde in einer Anzahl von Zuchtbetrieben die Möglichkeit der "Pferdetouristik" geschaffen, d.h. es wurden Reitstunden, Ausritte und auch Kutschfahrten gegen Bezahlung angeboten und damit eine Zweitnutzung der Zuchtstuten angestrebt. Mit diesen Organisationsformen des Reit- und Fahrsports hatte der Pferdesport-Verband allerdings nichts zu tun. Sie lagen in der Verantwortung der drei neugeschaffenen "Pferdezuchtdirektionen (PZD)" Nord (Redefin), Mitte (Neustadt/Dosse) und Süd (Moritzburg). Unterstellt waren die drei Pferdezuchtdirektionen der Anfang 1969 gegründeten "Zentralstelle für Pferdezucht", der neben den Aufgaben der Leitung der Pferdezucht auch noch der Galopp- und Trabrennsport in Ostdeutschland unterstand. Der Direktor der Zentralstelle wurde Mitglied im Präsidium des Pferdesport-Verbandes.

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