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Ausbildung: Der Sitz des Reiters Teil 2

Der leichte Sitz und seine Ausprägungen

Alle Punkte, die für den Dressursitz allgemeingültig sind, haben auch ihre Bedeutung für den leichten Sitz in seinen Ausprägungen: Remontesitz, leichter Sitz, Springsitz und Entlastungssitz.
 (von Anne Schmatelka)

Udo Bürger schreibt in seinem Buch „Vollendete Reitkunst“ dazu: „Der gute Reiter sitzt ungezwungen gerade, die Arm- und Handhaltung ist zwanglos wie bei Tisch. Mit den Zügeln wird so elegant und ohne Kraftanwendung umgegangen wie mit Messer und Gabel [...]. Die Hauptstörungsquelle für die Tätigkeit der Rückenmuskulatur ist der fehlerhafte Sitz des Reiters.“

 
Der Remontesitz
Der Remontesitz ist über hundert Jahre alt und wurde - wie viele Erkenntnisse der klassischen Reitkunst - im Laufe der Zeit vergessen. Der Autor des Buches „Finger in der Wunde“, Dr. Gerd Heuschmann, ist einer der namhaften Persönlichkeiten, der diese Methode wieder ins Gespräch gebracht hat.

Nur was sich loslässt, lässt sich versammeln.“

Reitmeister Richard Wätjen (1891-1966)
Reitmeister Richard Wätjen (1891-1966)
 
Eigentlich ist es ganz einfach und jedes Pferd, egal auf welchem Ausbildungsstand, nimmt diese Übung gerne an, denn sie entlastet den Rücken komplett. Der Reiter geht in den leichten Sitz und lässt das Pferd den Zügel-aus-der-Hand-kauend in die Tiefe traben, dabei bleibt er in den Bügeln stehen. Von Bedeutung ist, die Verbindung zum Pferdemaul zu erhalten, Sorge zu tragen, dass der Zügel nicht springt und dem Pferd den Weg in die Tiefe zu weisen, jedoch dafür zu sorgen, dass das Pferd nicht auf die Vorhand kommt, sondern mit aktivem Hinterbein nach vorne durchschwingt.

 

Hat das Pferd im Rücken nachgegeben – was das korrekt ausgebildete Pferd sofort und das zu korrigierende Pferd nach kurzer Zeit freudig annimmt – ist das Ziel, diese Dehnungshaltung nicht nur in Trab und Galopp und den Übergängen zu erhalten, sondern dem Pferd dabei auch die Zügel weiter nach vorne Richtung Maul nachzugeben, um es zur weiteren Dehnung des Halses und Aufwölben des Rückens aufzufordern. Innere und äußere Losgelassenheit sind dabei das oberste Ziel.
Ist diese Methode einmal verinnerlicht, reicht es aus, sie in die Lösungsphase zu integrieren und dann mit dem normalen Training fortzufahren. Die damit erreichbare Losgelassenheit des Pferdes ist die Basis für jede weitere Lektion, für Anmut, Ausdruck und Kadenz.
Empfehlenswert ist, diesen Weg in die Tiefe auch während der Arbeit an den einzelnen Lektionen, Übungen und Sprüngen immer wieder einzubinden, um das Pferd zu entlasten, um Anspannungen und Verspannungen vorzubeugen.
Nach jeder versammelnden Lektion sollten der Weg in die Tiefe und der Weg nach vorne erfolgen. Diese Kombination (stellen wir uns die einzelnen Abläufe als Ziehharmonika vor) aus Zusammenschieben und Dehnenlassen, erhält jedes Pferd gesund und das bis auf ein hohes Leistungsniveau.
 
Der leichte Sitz / der Springsitz
„Für die Arbeit im leichten Sitz, welche sich eigentlich auch in unebenem Gelände empfiehlt, ist es von besonderer Wichtigkeit, dass sich der Reiter mit weichem, geschmeidigem Sitz den Bewegungen des Pferdes anpasst und es mit leichter, tiefer, ruhiger Hand führt. […] Für die Wendungen ist es von elementarer Bedeutung, dass diese mit gut verwahrendem äußeren Schenkel am äußeren Zügel erfolgen und niemals durch Herumziehen am inneren Zügel bei „weggeworfenem“ äußeren.“
(Quelle: Richtlinien Reiten und Fahren, Band 1 der deutschen Reiterlichen Vereinigung e.V.)
 
So wie in der Dressur / im Dressursitz korrekte Sitzposition, Schenkelhaltung, Handhaltung von großer Bedeutung sind und Basis für die korrekten Einwirkung sind, so gilt dies auch für den leichten Sitz im Gelände und beim Springen. Man unterscheidet verschiedene Be- und Entlastungsgrade vor, über und nach dem Sprung und natürlich auch in der Höhe des jeweiligen Sprungs.
Der Bügel sollte an der breitesten Stelle des Fußes aufgenommen werden. Nur an dieser Stelle kann der Reiter über Fuß- und Sprunggelenk geschmeidig durchfedern, was die Elastizität des Sitzes gewährleistet. Die korrekte Position des Schenkels hat eine maßgebliche Bedeutung am Sprung. Der Oberkörper folgt immer der Sprunglinie des Pferdes“, so Hannes Müller, Ausbildungsleiter an der Deutschen Reitschule in Warendorf.
Das Pferd muss genau wie in der Dressur an den äußeren Zügel herantreten, sich mit leichten Hilfen Aufnehmen lassen oder auch ohne großen Druck zulegen können. Das heißt, dass auch im Springen der korrekte Sitz und die korrekte und feine Einwirkung die Basis für eine erfolgreiche Entwicklung von Reiter und Pferd sind.
Am Sprung selbst muss der Reiter in der Bewegung des Pferdes geschmeidig mitgehen und darf weder vor noch hinter den Sprung kommen. Der Oberkörper wird aus der Hüfte heraus gerade über dem Hals des Pferdes nach vorne geneigt. Die Hand verbleibt tief nachgebend am Widerrist. Der Reiter schaut gerade nach vorne. Auch die Lage der Schenkel sollte sich nicht verändern, um sich beispielsweise nach der Landung, bei der das Knie das Eigengewicht des Reiters abfängt, wieder aufrichten zu können. Die korrekte Schenkellage ermöglicht dann das sofortige korrekte Weiterreiten und die korrekte Einwirkung auf das Pferd.
 
Wenn sich der Reiter beim Landen zu weit zurück lehnt, kommt das Pferd aus der Balance.Auf dem Foto zeigt Markus Döhring, zuständig für die Ausbildung am Landgestüt in Warendorf und erfolgreich im Springen bis Klasse S, welche Auswirkung es hat, wenn man den Oberkörper zu weit nach hinten verlagert. Das Pferd kommt genau wie der Reiter aus seiner Balance. In einer Kombination beispielsweise könnte sich das Pferd nicht mehr korrekt auf den nächsten Sprung vorbereiten, es würde die Stange mit großer Wahrscheinlichkeit reißen oder gar verweigern (müssen).
Im weiteren Galoppieren würde dieser Fehler Takt- und Balanceverlust für das Pferd bedeuten. Mit einem solchen Fehler verunsichert der Reiter sein Pferd zusätzlich und schränkt es in seiner Springqualität ein.
Über dem Sprung, sind die Gewichtsverlagerung und der Bügeltritt des Reiters von großer Bedeutung. Nicht über die extreme Verlagerung des Oberkörpers den neuen Galopp einzuleiten, sondern auch hier über die korrekte Galopphilfe. Verlagert man den Oberkörper zu stark nach links oder auch nach recht, stört man das Pferd in seiner natürlichen Balance.
Das Treiben des Reiters im leichten Sitz erfolgt im Takt des Galopps. Gerade vor dem Sprung ist das konzentrierte und korrekte Treiben wichtig, um das Pferd nicht zum Verweigern und zum nachlässigen Springen zu verleiten.
 
Der leichte Sitz in der Wendung vor und nach dem Sprung
Eine Wendung muss frühzeitig eingeleitet werden. Das heißt für den Reiter, dahin zu schauen, wohin er als nächstes reiten will und sich vor- und über dem Sprung schon nach dem nächsten Sprung zu orientieren. Dadurch kann man das Anreiten des nächsten Sprungs einleiten und über die entsprechende Hilfengebung galoppiert das Pferd auf der richtigen Hand.
Wendungen im leichten Sitz sollten immer im richtigen Galopp geritten werden. Enge Wendungen in Außen- oder Kreuzgalopp bringen das Pferd aus dem Gleichgewicht und können im negativen Fall zu Unfällen führen.
Beim Stilspringen achten die Richter auf den Sitz des Reiters, die Wegführung und die Harmonie zwischen Pferd und Reiter.
Dabei sind die wichtigsten Kriterien:
Der korrekte Sitz. Der Springsitz über den Sprüngen. Auf dem Außenplatz ist zwischen den Sprüngen der leichte Sitz zu reiten und in der Halle der Entlastungssitz.
Sinnvolle Linienführung. Da es beim Stilspringen nicht auf die Zeit ankommt, sollten Wendungen nicht zu eng angelegt werden.
Den Absprungpunkt treffen bedeutet, den Sprung konzentriert und richtig anzureiten.
Den Rhythmus zu erhalten heißt, den ganzen Parcours möglichst in einem schwungvollen, aber nicht zu schnellen Tempo zu überwinden.
 

Der EntlastungssitzÜben des leichten- oder Entlastungssitz …

Beim Entlastungssitz ist der Oberkörper des Reiters im Vergleich zum normalen Dressursitz um 2-3° weiter nach vorne geneigt, wobei das Gewicht des Reiters auf die Beine und damit die Seiten des Pferdes verlagert wird, das Gesäß jedoch in Kontakt mit dem Sattel bleibt.
Der Entlastungssitz unterstützt die Entlastung des Pferderückens. Er kann beim Bergauf- oder Bergabreiten im Gelände oder bei der Arbeit mit jungen, noch nicht so kräftigen Pferden eingesetzt werden. Zudem dient er beim Springreiten beispielsweise als Position, aus der heraus sowohl der leichte Sitz schnell eingenommen werden kann, als auch ein tiefes Einsitzen im Sattel schnell möglich ist.
… durch die Arbeit mit Cavalettis.Anregungen und Tipps zur Verbesserungen des eigenen Spring- und Entlastungssitzes von Hannes Müller:
-Üben Sie den leichten und -/ oder den Entlastungssitz durch die Arbeit mit Cavalettis.
-Machen Sie immer wieder Gymnastikspringen mit Hilfe von Ins und Outs. Nicht die Höhe des überwundenen Sprungs zählt, sondern Korrektheit, Harmonie und Zusammenspiel zwischen Reiter und Pferd.
-Bitten Sie Ihren Ausbilder Fotos / Videos von Ihnen vor, über und nach dem Sprung zu machen und analysieren Sie diese anschließend gemeinsam.
-Technik der „Zügelbrücke“ anwenden.
-Bügel- und Halsriemen führen (dabei wird der Steigbügel um den Hals genommen). Mit Hilfe dieses Riemens kann man sehr gut überprüfen, wie unabhängig man von der Hand sitzen kann.
-Funktionsgymnastik vor dem Reiten (nach E. Meiners).
-Verschiedene Bügellängen immer wieder nutzen, um darüber die unterschiedlichen Ausprägungen des leichten Sitzes zu trainieren.
-Geländeschulung, bergauf und bergab und klettern mit dem Pferd im leichten Sitz.
-Tempounterschiede, Übergänge und Richtungsänderungen im leichten Sitz ohne grobe Handeinwirkung zu trainieren, allein über Kreuz und Bein.
-Kontinuierliche Sitzschulung betreiben.
 
Auch hier gilt als abschließender Satz:
Mit einem korrekten und elastischen Sitz macht Reiten und Springen Spaß. Mit einem schlechten Sitz ist Reiten irgendwann nur noch ein Ziehen und Zerren und man hat ein unwilliges und unmotiviertes – irgendwann krankes Pferd.  (Anne Schmatelka)
 
Zur Autorin:
Anne Schmatelka arbeitet seit 17 Jahren als freiberufliche Verhaltenstrainerin in der Industrie. Schwerpunkt: Konfliktmediatione, Teamprozesse und Coaching auf Führungsebene.  Die Dressurreiterei nach der klassischen Ausbildungsmethode ist ihr Hobby. Sie ist Buchautorin, Verfasserin vieler Fachbeiträge, Mitglied bei Xenophon, trainiert bei Reitmeister Siegfried Peilicke und reitet auf einem gepflegten S-Niveau. Besuchen Sie sie auf www.reitertipps24.com.
 
 

 

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