Landgestüt Redefin: Pferdetage mit sehenswertem Programm
Erschienen am 01.09.2026

Die diesjährigen Pferdetage im Landgestüt Redefin beschränkten sich auf das letzte August-Wochenende am Samstag und Sonntag auf zwei Tage. In einem sehr abwechslungsreichen 19-teiligen Programm, traditionell musikalisch begleitet vom 1948 gegründeten Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern unter Leitung von Cornelius During-Schwarzmaier, erlebten rund 4.000 Besucher bei schönstem Spätsommerwetter abwechslungsreiche viereinhalb Stunden. Wenn auch die Präsentation der Hengste nicht mehr im Mittelpunkt steht wie vor 20 und mehr Jahren, so ist der Wechsel zwischen den Bildern, die das 42-Mitarbeiter umfassende Landgestüt selbst präsentiert hat, mit denen zahlreicher Gäste sehr gut gelungen.

Bei der Eröffnung, die Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus gemeinsam mit Gestüts-Geschäftsführer Matthias Munz vornahm, versprach der Minister „solange ich etwas mitentscheide, wird das Gestüt niemals, niemals, niemals verkauft oder untergehen“. Dr. Backhaus, der selbst im Bild der IG-Shetlandpony einen Zweispänner fuhr, konnte am 1. Paradetag eine ganze Reihe von Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft begrüßen. Seine Rede war ein einzigartiges Bekenntnis für das traditionsreiche Landgestüt Redefin. Er erinnerte an die Gründung des Gestüts durch Großherzog Friedrich-Franz I im Jahre 1812 und daran, dass es in Redefin bereits seit 1710 eine „landesherrschaftliche Stuterei“ gab.

Dann begann das Programm, begleitet von Landespolizeiorchester Mecklenburg-Vorpommern und moderiert von Christian Kröber. In 19 Programmteilen kamen ein Großteil der gegenwärtig 50 Pferde des Gestüts zum Einsatz. Dazu gehörten Klassiker wie der Fanfarenzug, der die Parade mit Kesselpaukerin Nele Eisenberg an der Spitze eröffnete, die von L. Rupp gerittene Ungarische Post mit Fred und Umberto, der große Mehrspänner gefahren von Mario Kabbe mit Beifahrerin Dorit Schicketanz und den Pferden Caracas, L’Raphaelo, Loclan, Bellami, Baloucan, Dieter, Ce-Matino, Calimero, Crawley und Qualify.

Immer wieder gut anzusehen und bestens präsentiert die im Jahre 1863 in Bautzen gebaute Postkutsche, ebenfalls von Mario Kabbe und Dorit Schicketanz gefahren. Die rasant gefahrenen Römerwagen von Roland Volkmann und Mario Kabbe und die Große 16er Dressurquadrille der Lützower Jäger. Ein historisches Bild zum Gedenken an die Befreiungskriege des Jahres 1813 gegen die napoleonische Besatzung. Kommandeur der Truppe war Heiko Strohbehn, Leiter der Landes-Reit- und Fahrschule. Mit diesem Bild enden traditionell die Paraden der Pferdetage in Redefin.

Dazwischen immer wieder wunderschöne Bilder von Gastdarstellern. Ein Leckerbissen besonderer Art war erneut der Auftritt von Claus Luber aus Untermessing (Franken) mit seinen Haflingerhengsten. Der Auftakt mit einer kraftstrotzenden Quadriga und später die Präsentation eines Vierspänners, wobei er die Vorderpferde ohne Deichsel getrennt neben der Kutsche über Hindernisse springen ließ und einen Slalomkurs absolvierte. Allein am gepflegten Langhaar, sowohl Mähne als auch Schweif, war die Liebe zu seinen bestens ausgebildeten und absolut gehorsamen Haflingern zu erkennen.

Der Ukrainer Viktor Kirka und sein Kaltblüter Hermann brachten die Besucher mit allerhand Kunststücken zum Lachen. Die Quadrille der Barockpferdereitergruppe „Doma Clasicá“ mit 30 aktiven Reitern aus Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen war ebenfalls ein ganz besonderer Augenschmaus. Das Nationalgestüt Kladruby aus Tschechien präsentierte einen Sechserzug mit seinen Altklaruber Schimmeln - sehr gut anzusehen. Auch Karina Vandersee war mit ihren Comanche-Damen aus Neu Poserin dabei, die den Besuchern bei ihren Stunds den Atem stocken ließ. Prächtig anzusehen war auch der Lübzer Bierwagen, gefahren von Christian Platzeck aus Alt-Schwerin mit sechs seiner prämierten Rheinisch Deutschen Kaltblutstuten.

Fred Perle aus Schmerzke bei Brandenburg war mit einem anmutigen Tinker-Vierspänner vertreten. Auch bei ihm waren die Vorderpferde nicht an einer Deichsel, sondern wurde getrennt von den Stangenpferden gefahren. Zwischen den beiden Reihen gelang es Gisbert Koch mehrfach mit einem Shetti-Gespann unter den Leinen hindurchzufahren. Eine Augenweide waren auch die Lewitzer Stuten mit ihren Fohlen, die Anita Stang mit ihren Helferinnen aus Friedrichsmoor freilaufen ließ. Darüber hinaus präsentierte das Landgestüt die Rassevielfalt seiner Pferde und eine Kutschenquadrille mit verschiedenen Wagen und Anspannungsarten.

Unter Leitung von Dajana Schult zeigte die Voltigiergruppe Ostseeküste in gelb-schwarzem Outfit ihr Können mit akrobatisch anmutenden Kürvorträgen. Fehlen durfte die Interessengemeinschaft der Shetlandpony-Züchter unter Leitung von Gisbert Koch nicht. Zwölf Gespanne, darunter Dr. Till Backhaus mit einem Zweispänner, präsentierten sich den Besuchern in verschiedenen Anspannungsarten. Beim späteren Hindernisfahren mit sieben Shetland-Gespannen siegte Michael Schmitz, Dr. Till Backhaus wurde Vierter.

Das Verlosen eines Shetlandfohlens durch die IG-Shetlandpony an jedem Paradetag gehört seit 33 Jahren zum Standardprogramm. „In diesem Zeitraum sind 148.000 Euro zusammengekommen“, berichtete IG-Vorsitzender Gisbert Koch. Alle Mittel stellt die IG dem Landgestüt Redefin zur Verfügung, wofür sich der aktuelle Geschäftsführer Matthias Munz vor Ort bei der IG bedankte. Das Fohlen am 29. August brachte 2.400 Euro und bekommt nach Trennung von seiner Mutter eine neue Box in Retschow bei Bad Doberan.

Die ursprünglichen Hengstparaden des Landgestüts Redefin haben sich zeit- und situationsbedingt zwar in „Pferdetagen“ mit viel Showbildern gewandelt. Geblieben aber ist die Faszination die von Pferden und von der traditionellen Gestütsanlage ausgeht. Der nicht enden wollende Beifall der Besucher bei den Einlassungen von Landwirtschaftsminister Dr. Till Backhaus, dem obersten Dienstherrn des Gestütes, ist ein Beweis dafür. (fw)

